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Wie die Inklusion behindert wird

Opposition wirft Bildungssenatorin Scheeres vor, auf Kosten von SchülerInnen zu sparen

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Kinder mit Förderbedarf brauchen in der Schule zusätzliche Hilfe. Die bekommen sie aber nicht immer. Die Opposition gibt der Bildungssenatorin die Schuld. Sie würde die Inklusion an die Wand fahren.

In den letzten Wochen ist eines noch mal sehr deutlich geworden: Bei der Umsetzung der Inklusion stoßen Regelschulen und Lehrer zunehmend an ihre Grenzen. Erst in der vergangenen Woche zog die Lehrergewerkschaft GEW ein reichlich ernüchterndes Fazit aus vier Jahren Debatte um Inklusion. Anfang Oktober beklagten SchulleiterInnen aus Tempelhof-Schöneberg in einem Brandbrief die Bedingungen, unter denen Lehrer und SchülerInnen mit oder ohne Beeinträchtigung zusammen lernen. Grund für die Klagen ist die seit über zehn Jahren steigende Anzahl der Kinder mit Förderbedarf und die im Verhältnis nur marginal aufgestockten Lehrerstellen für Integration. Die Spitze der Empörung war erreicht, als der Senat bekannt gab, dass in diesem Schuljahr knapp 5000 inklusive SchülerInnen nicht den Förderbedarf erhalten, der ihnen eigentlich zusteht (nd berichtete).

In der Aktuellen Stunde des Abgeordnetenhauses am Donnerstag musste sich Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) dann auch von der Opposition, die das Thema »Blockade im Senat: Für Inklusion keinen Plan. Für Integration keine Mittel« angemeldet hatte, eine Salve an verpassten Nachbesserungen anhören. »Berlin kann sich eine Olympiabewerbung leisten, aber es ist unter den jetzigen Bedingungen nicht mal möglich, die Inklusion erfolgreich umzusetzen«, kritisierte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Regina Kittler. Es fehlten etwa 300 Sonderschulpädagogen und etwa genauso viele SchulhelferInnen, so Kittler. Zwischen 1999 und 2013 ist die Zahl der SchülerInnen mit Förderbedarf um mehr als 100 Prozent gewachsen (waren es 1999 noch 5100 sind es mittlerweile über 12 000). Unter anderem stieg die Zahl, weil immer mehr Förderzentren geschlossen werden und die Kinder stattdessen eine Regelschule besuchen.

Seit der Inklusionsbeirat, den Senatorin Scheeres vor zwei Jahren initiierte, im Februar 2013 seine ersten Empfehlungen ausgesprochen habe, ginge nichts mehr voran, so Kittler. Ihre Fraktion plädiert dafür, einen Teil der ab 2015 frei werdenden Mittel durch die Übernahme der BAföG-Zahlungen durch den Bund, für die Inklusion und den dazu gehörenden Sanierungsbedarf an Schulen und der personellen Ausstattung einzusetzen.

Immer wieder kommt es vor, dass Kindern mit einem hohen Förderbedarf nicht die vollen beantragten Förderstunden genehmigt werden. Auch Kittler berichtet von einer Schülerin aus Lichtenberg, die im Rollstuhl sitzt, sich wegen einer spastischen Parese kaum bewegen kann und nur vier der 20 beantragten Förderstunden erhalten hat. »Für manche Kinder machen Schulhelferinnen und Schulhelfer den Besuch einer Regelschule überhaupt erst möglich. Sie brauchen besondere Unterstützung, sei es bei der Pflege oder der Begleitung zum Mittagessen«, kommentierte die Berliner GEW Vorsitzende Sigrid Baumgardt kürzlich. In Berlin arbeiten rund 600 SchulhelferInnen an ungefähr 300 Schulen. Die GEW kritisiert, dass sie fast ausschließlich als Teilzeitkräfte beschäftigt werden.

Mehr oder weniger subtile Kritik kam am Donnerstag auch aus den Reihen des Koalitionspartners. Die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Hildegard Bentele, konnte dem Titel der Aktuellen Stunde nichts abgewinnen. »Von Blockade im Senat beim Umgang mit der Inklusion kann keine Rede sein. Es wurde schon lange nicht mehr darüber diskutiert«. Es dauerte eine Weile, ehe sich der Saal wieder beruhigt hatte.

Bildungssenatorin Scheeres gab sich ob der hitzig geführten Debatte zu Beginn ihrer Stellungnahme ungehalten. »Ich habe solche Ausdrücke wie ›Blockade‹ und ›Stillstand‹ einfach satt.« Mittlerweile lernen etwa 60 Prozent aller inklusiven SchülerInnen an Regelschulen. Diesen Erfolg »lasse ich mir nicht wegnehmen«, so die Senatorin. Auch eine Kürzung der Schulhelferstunden habe es nicht gegeben. Das Kontingent der Förderzeiten wäre sogar auf 11 200 Stunden pro Woche gestiegen. »Das reicht aber nicht«, schallte es ihr von der Oppositionsbank entgegen.

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