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Talente brauchen Trainer

Der Schweriner Boxtrainer Michael Timm ist von den Profis zu den Amateuren zurückgekehrt

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Boxtrainer Michael Timm kehrt in die alte Schweriner Boxhalle zurück. Nachdem der 51-Jährige ein Jahrzehnt beim einstigen Hamburger Universum-Boxstall Profi-Weltmeister wie Jürgen Brähmer, Felix Sturm oder Ruslan Tschagajew betreute, trainiert er jetzt am Olympiastützpunkt Schwerin Deutschlands Top-Amateure. Über seine Arbeit an der neuen Wirkungsstätte sprach Manfred Hönel mit dem studierten Boxlehrer.

Sie waren nach der Wende Landestrainer in Schwerin, warum haben Sie den Posten aufgegeben?
Aufgegeben ist gut! Meine Stelle wurde gestrichen. Ich habe dann zwei Jahre in einer Abrissfirma gearbeitet, Öfen und Schornsteine entsorgt. Beim Universum-Boxstall in Hamburg war damals Fritz Sdunek als Cheftrainer angestellt. 1997 ging ich zum Universum-Stall von Hans Peter Kohl. Ich war froh, wieder einen Job in meinem Beruf als Boxtrainer gefunden zu haben. Ich bin zwar jeden Tag 110 km zur Arbeit gefahren. Aber die Tätigkeit hat mir viel Freude bereitet.

Wo liegen nach Ihrer Ansicht die Unterschiede beim Profi- und beim Amateurtraining?
Das Grundlagentraining ist bei den Profis und Amateuren in etwa gleich, wobei ich bei den Profis auf große Ausdauer Wert gelegt habe. Die Sparringsphasen sind ähnlich gestaltet. Im olympischen Boxen muss das Training wegen der nur drei mal drei Minuten kürzer aber intensiver sein. Man kann das normale olympische und das Profiboxen wie in der Leichtathletik mit Sprint und Langstreckenlauf vergleichen.

Wie beurteilen Sie das Niveau der deutschen Amateure?
Bei uns herrscht Aufbruchstimmung. Nach den letzten EM und WM im vorigen Jahr sind wir als Boxnation in Europa auf Rang vier gerutscht. Wir verfügen wirklich über reichlich Talente, wir können leider nicht alle fördern, weil auch bei uns vieles vom Geld abhängt. Bei etwas mehr finanzieller Unterstützung könnten wir neben der A- und B-Nationalmannschaft noch eine dritte Reihe aufbauen, dann wären wir noch schneller in der Weltspitze zurück.

Fühlen Sie sich nach Ihrer Karriere als Profitrainer in Schwerin überhaupt wohl?
Selbstverständlich. Schwerin ist meine Heimat. Ich hatte allerdings auch in Hamburg eine schöne Zeit mit unglaublichen Erfolgen. Den Gedanken einer Rückkehr nach Schwerin hatte ich aber immer im Hinterkopf. Zehn Jahre jeden Tag 220 Kilometer im Auto schlauchen schon, auch wenn man mit Freude zum Job fährt.

Wie können die deutschen Amateure noch schneller an die Weltspitze herangebracht werden?
Was wir brauchen, sind viel mehr hochklassige Turniere in unserem Land. Ich bin zum Beispiel gar kein Freund der Bundesliga. Dort stopfen die Vereine ihre Staffeln mit Ausländern voll und die deutschen Talente schauen zu. Und eine Bundesliga mit vier Teams ist ohnehin nicht das Gelbe vom Ei. Da wären hochklassige internationale Turniere wie der Chemie-Pokal in Halle weit besser für das Amateurboxen in Deutschland.

Nach Ihnen kehrte am 1. Oktober auch Torsten Schmitz von den Profis wieder zu den Amateuren zurück. Wie finden Sie das?
Ganz prima. Torsten ist ein echter Gewinn für unseren Verband. Er hat viele Jahre Erfahrung bei den Profis gesammelt. Vielleicht kann er unseren Frauen helfen, die Weltspitze zu erreichen. Als Trainer von Regina Halmich hat er bewiesen, dass er Weltmeisterinnen aufbauen kann.

Worauf konzentrieren Sie sich im Moment mit Ihren Boxern?
Da sage ich nur Rio de Janeiro. Den Olympischen Spielen unterwerfen wir alles. Die letzte Medaille hatte mit Bronze Vitali Tajbert 2004 gewonnen. Das ist zehn Jahre her. Wir wollen von den Spielen 2016 deshalb endlich Medaillen mitbringen.

Bei den Olympischen Jugendspielen gab es eine Goldmedaille für Deutschland. Haben Sie noch mehr solche Talente im Köcher?
Peter Kadiru ist mit seinen 17 Jahren ein Ausnahmetalent. Neben ihm gibt es eine ganze Reihe begabter junger Boxer, die nur richtig geführt werden müssen. Was uns im Boxen leider oft fehlt, sind gut ausgebildete Trainer.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs in Schwerin aus?
Nicht schlecht. Wir haben 45 Mädchen und Jungen im Boxtraining. Zum Schuljahresbeginn haben wir 14 junge Athleten an der Sporteliteschule aufgenommen. Das sind fast Zahlen wie zu DDR-Zeiten. Ich denke, da entwickelt sich etwas. Zumal wir mit Andy Schiemann, Sebastian Zbik und mir drei Dreisterne-Trainer haben. Das ist die höchste Trainerqualifikation der AIBA. Christian Morales kümmert sich um den Nachwuchs. Europameister Dieter Berg ist Boxlehrer am Sportgymnasium. Auch profitieren wir von den Olympiasiegern Jochen Bachfeld und Andreas Tews sowie dem Olympiazweiten Richard Nowakowski, die als Übungsleiter helfen.

Sie waren Box-Europameister, aber auch Motocross- und Enduro-Pilot. Verrostet das Motorrad jetzt?
Leider. Ich habe einfach keine Zeit mehr, über die Pisten zu rasen. Mein ganzer Ehrgeiz richtet sich darauf, gute Boxer zu entwickeln.

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