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Schüsse im kanadischen Regierungsviertel - ein Wachsoldat und ein Angreifer sterben

Polizei riegelt Areal nach Schießerei im Parlament weiträumig ab / Bewaffnete greifen auch Einkaufszentrum an

Bei bewaffneten Überfällen im Regierungsvierteld sowie auf ein Einkaufszentrum in Ottawa sterben ein Soldat und einer der Angreifer. Abgeordnete, Premierminister und Parteichefs bleiben unverletzt.

Ottawa. Großalarm in Kanadas Metropole Ottawa: Bewaffnete haben am Mittwoch das Regierungsviertel der kanadischen Hauptstadt sowie ein Einkaufszentrum angegriffen. Medien berichteten von Schießereien an beiden Orten. Das Einkaufszentrum sei evakuiert worden, teilten die Betreiber per Kurznachrichtendienst Twitter mit. Bei den Schießereien sterben zwei Menschen - ein Angreifer wird im Parlamentsgebäude erschossen, ein angeschossener Wachsoldat erliegt seinen Verletzungen.

Bei einer Schießerei im Parlamentsgebäude sei einer der Angreifer getötet worden, meldeten Nachrichtenagenturen. Bei dem Angriff auf das Parlament sei Premierminister Stephen Harper unverletzt geblieben, hieß es. Auch die Parteichefs der Neuen Demokratischen Partei und der Liberalen, Thomas Mulcair und Justin Trudeau, seien sicher, twitterten die Parteien. Anfangs seien noch andere Parlamentarier im Gebäude gewesen.

Die Polizei geht bei ihren Ermittlungen derzeit offenbar von bis zu drei Tätern aus. Mindestens ein Angreifer sei noch flüchtig. In der ganzen Stadt werde in diese Richtung ermittelt, alle Polizisten seien daran beteiligt, hieß es am Mittwoch von der Polizei. Deshalb würden vorerst alle Polizeiwachen für den normalen Besucherverkehr geschlossen.

Bereits vor der Attacke im Parlament war ein Soldat der Ehrenwache am Weltkriegsdenkmal in unmittelbarer Nähe des Parlamentsgeäudes angegriffen und niedergeschossen worden. Ein weiterer war Wachsoldat geflüchtet. Der angeschossene Soldat - ein Reservist - sei später im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen, hieß es.

Erst am Montag hatte ein mutmaßlicher Islamist zwei kanadische Soldaten mit einem Auto überfahren, dabei war einer gestorben. Bei der angschließenden Verfolgungsjagd hatte die Polizei den Täter erschossen.

Unklar blieb zunächst, ob radikale Islamisten auch hinter den Angriffen von Ottawa standen und ob es einen Zusammenhang zwischen allen drei Taten gibt. Die Polizei wollte den Verdacht, dass Islamisten dahinter steckten, nicht bestätigen. Kanada beteiligt sich im Irak an den Luftangriffen des von den USA geführten Bündnisses auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Nach Angaben von US-Regierungsmitarbeitern gab es zunächst keine Hinweise auf politische Extremisten.

Nach dem Anschlag ist die für Mittwochabend (Ortszeit) angesetzte NHL-Partie zwischen den ortsansässigen Senators und den Toronto Maple Leafs verschoben worden. Dies teilte die nordamerikanische Eishockey-Profiliga wenige Stunden nach den Schüssen in der kanadischen Hauptstadt mit.

Die Schüsse am Kriegerdenkmal waren laut Polizei um 9.52 Uhr Ortszeit (15.52 deutscher Zeit) gefallen. Passanten hätten dem Mann erster Hilfe geleistet. Die Polizei hatte unmittelbar danach das Regierungsviertel weiträumig abgeriegelt und alle Passanten aufgefordert, sich vom Parlamentshügel fernzuhalten. Das Gebiet ist üblicherweise frei zugänglich, Tausende Touristen lassen sich jeden Tag mit den Wachen fotografieren.

Das Denkmal für die Kriegstoten ist unmittelbar am Parlamentspark, nur durch eine Straße getrennt. Die Ehrenwache ist zwar bewaffnet, die Sturmgewehre sind aber gesichert und dienen rein repräsentativen Zwecken. Unklar war zunächst, ob sie normalerweise überhaupt geladen sind. Das Denkmal wurde 1939 für die Toten des Ersten Weltkrieges eingeweiht, dient inzwischen aber auch dem Gedenken der Opfer aller Kriege. dap/nd

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