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Tiefer Blick in die Bankbilanzen

Die Methoden und Kriterien des Stresstests sind komplex, aber auch ziemlich willkürlich - »nd« beantwortet wichtige Fragen zum Thema

Was ist ein Bankenstresstest?

Er ist Teil der staatlichen Aufsicht über die Bankenbranche. Mit ihm soll simuliert werden, ob Institute eine Rezession oder Krise verkraften.

Warum gibt es solche Checks?

Hauptziel ist Stabilität im Finanzsystem. Die Krise ab 2007 entstand auch, weil niemand wusste, welche Risiken in den Bilanzen schlummerten. Künftig wollen die Staaten teure Rettungen maroder Banken vermeiden. Haben die Aufseher einen Überblick über Sorgenkinder, können sie sie zu Risikovorsorge veranlassen.

Warum ist der EZB-Test besonders?

Seit der Krise gab es viele nationale Tests. Europas Banken wurden 2011 von der EU-Bankaufsichtsbehörde EBA durchgecheckt. Die EZB nahm nun die 128 größten Banken des Euroraums unter die Lupe, davon 24 deutsche. Erstmals ging dem ein tiefer Blick in die Bilanzen voraus.

Was wurde im Einzelnen geprüft?

Die 6000 Aufseher und Wirtschaftsprüfer wollten mindestens 160 000 Kreditakten sichten und Risikopapiere im Volumen von 3,72 Billionen Euro unter die Lupe nehmen. Dabei ging es um die Bewertung einzelner Posten bzw. Sicherheiten zum 31.12.2013. Der eigentliche Stresstest wurde von Bankmitarbeitern durchgerechnet - nach Vorgaben der Aufseher. Sie beinhalten ein Basisszenario, das die erwartete Wirtschaftsentwicklung der Eurozone widerspiegelt, und ein »adverses« Szenario. In diesem sorgen ein Kursverfall von Staatsanleihen und Währungen, steigende Kreditausfälle, abstürzende Immobilienpreise und ein Anstieg der Refinanzierungskosten der Banken für Stress.

Was passiert mit Durchfallern?

Durchgefallen ist, wer in mindestens einem Jahr des Stresstesthorizonts 2014 bis 2016 eine Kernkapitalquote von unter acht Prozent aufweist. Die Institute haben zwei Wochen nach den Ergebnissen Zeit, einen Plan zu erstellen, wie sie die Kapitallücke in sechs Monaten schließen wollen - etwa durch Kapitalerhöhungen oder das Abstoßen risikobehafteter Geschäftsteile. Die Frist beträgt neun Monate, wenn die Kernkapitalquote unter 5,5 Prozent fällt. Sollte dies nicht gelingen, werden Gläubiger der Bank zur Kasse gebeten. Dann bliebe noch ein Hilfsantrag beim Eurorettungsschirm oder die Abwicklung.

Sind die Testkriterien willkürlich?

Durchaus, deshalb gibt es Streit darüber, ob sie zu lax sind. Im Krisenszenario fällt das Wirtschaftswachstum der EU 2014 um 2,2 Prozent, 2015 um 5,6 Prozent und 2016 um 7,0 Prozent niedriger aus als im Basisszenario. Die Arbeitslosenquote ist um 0,6 Prozent, 1,9 Prozent bzw. 2,9 Prozent höher. Hätte die EZB eine schlimmere Krise durchgerechnet, würden höhere Wertberichtigungen fällig und der Kapitalbedarf stiege.

Was passiert nach dem Test?

Fallen die Ergebnisse extrem schlecht aus, könnte es zu Turbulenzen an den Finanzmärkten kommen. Fallen sie extrem gut aus, könnten die Regulierungsbemühungen nachlassen.

Gibt es Interessenkonflikte?

Kritisiert wird, dass die US-Unternehmensberatung Oliver Wyman, die Banken als Kunden hat, mit prüft. Auch ist fraglich, ob die EZB, die für die Geldversorgung der Banken zuständig ist, ihre »Geschäftspartner« beaufsichtigen kann.

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