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Was aus Käse werden kann

John Cleese 75

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: 3 Min.

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Geschichte läuft irgendwie schräg. Da lässt sich Jesus, dieser Trottel, ans wurmstichige Holz schlagen, und am Ende beten die Leute doch nur das Autobahnkreuz an. Es gelingt einfach nicht, etwas richtig auf die Beine zu stellen. Da schwenken fortschrittliche Typen, wie Chearleaders, beschwingt verführerisch die rote Fahne - und was passiert? Mehr und mehr Menschen sehen rot. Alles läuft verquer. Jedes neue System ist auch nur wieder wie das alte, aber wenn man einen Vergleich zieht - sofort hinkt er. Das Gute ist rückläufig, dem Schönen schlackern die Knie, und sogar die Weltmeister sind Lahm. Kurzum: Alles, aber auch alles geht - schief! Wer ordnet das an, wer hat da seine Füße im Spiel? Klar: John Cleese! Und das legendäre »Ministerium für komische Gänge«!

Dieser schlaksige Hüne war der Brillanteste, Böseste der unvergesslichen »Monty Python«-Truppe. Vor einigen Jahren wurde er zum zweitwitzigsten Komiker aller Zeiten gewählt - knapp hinter Charlie Chaplin. Cleese ist vergleichbar mit dem stieren, etwas naiv-blödgesichtigen Stummfilmstar Ben Turpin - nur noch weit blasser, noch ausdrucksloser, noch uncharismatischer. Ein Geniestreich der formenden Natur: so viel Ausdruckskraft bei so viel Gesichtslosigkeit.

Monty Python! »Always Look on the Bright Side of Life«. Gott zerstampft die Menschenwelt und furzt dabei. Donald Duck meets Luis Bunuel. Und John Cleese haut knallhart den Kopf eines toten Papageis auf den Verkaufstisch des Zoogeschäfts - um zu offenbaren: Das Vieh ist wirklich tot! Ritter der Kokosnuss, Stotterer und Stolperer, Kasper und Krüppel, natürlich Neger und Schwule - volle Breitseiten Attacken gegen jedwede politische Korrektheit, linke Humanmanie, blutleere Vernunft und multikulturelle Folklore.

Cleese, 1939 in Somerset geboren, war schon mit zwölf Jahren über einsachtzig groß, er studierte Jura in Cambridge, eines Tages mitten im Weltruhm verließ er »Monty Python« und begründete die britische Comedy-Serie »Fawlty Towers«. Auch deren Geist entsprach etwa der zynischen Schnoddrigkeit eines Ernst Lubitsch, in dessen Film »Sein oder Nichtsein« Hitler beim Theaterbesuch in Warschau gefragt wird, ob er denn den Regisseur des Abends kenne. »Klar«, erwidert der, »was der fortwährend mit Shakespeare macht, machen wir jetzt mit Polen!« Der Lieblingswitz von Cleese. Dessen Vater eigentlich Cheese hieß, diesen Namen jedoch änderte, als er zur Armee kam - er wollte nicht dauernd als Käse angebrüllt werden.

Von den Filmen, die Cleese drehte und in denen er auch spielte (er gab auch eine Gastrolle bei »Harry Potter« und bei »James Bond«), ragt bis heute »Ein Fisch namens Wanda« heraus, eine Gangsterkomödie um einen verklemmten, gefühlsverdrucksten Briten. Als der Komiker, der auch Universitätsprofessor war, Neuseelands Stadt Palmerston North als Selbstmord-Hauptstadt bezeichnete, rächten sich die Stadtväter und gaben der größten Müllhalde der Stadt den Namen »Mount Cleese«. Heute wird der Schauspieler 75 Jahre alt.

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