Die Lust am blutigen Schauspiel

Geschichtsschreibung und Roman: Henri Sansons »Tagebücher der Henker von Paris 1685-1847«

  • Von Sabine Neubert
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

Das eine ist die philosophische Betrachtung der Geschichte, das andere die Sammlung möglichst vieler, durch Zeugen verbürgter Fakten. Dann zeigt das Edle oft seine düstere Fratze. »Der lange Weg nach Westen« (H. A. Winkler) von der Aufklärung über die Menschenrechtserklärungen (1776, 1789) bis zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (1948) war blutig und blieb bis in die Gegenwart ein unvollendetes Projekt. Nehmen wir den damit verbundenen Begriff »Revolution« mit seinen Beiworten: »Französische«, »Große«, »Friedliche« usw.! Wie wenig »Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit« haben sie alle gebracht, und doch lassen wir uns die Ideale - Utopie hin und her - nicht rauben.

»Wir beginnen eine neue Zeit«, heißt es im Tagebuch des Henri Sanson, des letzten der Pariser Henkersfamilie, »die Zeit der hohlen Utopien ist ebenso dahingeschwunden wie die der demagogischen Saturnale. Die unvorsichtige Lässigkeit des Direktoriums hat es zugelassen...


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