Hooligans beklagen Zensur und »Nazi-Phobie«

Geplante Neonazi-Aufmärsche in Hamburg und Berlin unsicher, Sympathisanten formieren sich auch in Österreich

  • Von Marcus Meier und René Heilig
  • Lesedauer: 3 Min.
Die nach den Kölner Krawallen angekündigten rechtsextremistischen Hooligan-Aufmärsche in Hamburg und Berlin wurden abgesagt, hört man. Oder werden sie verboten?

Nach den Kölner Krawallen vom letzten Wochenende zeigt sich Widerstand gegen die militant-rechte Bewegung. Mit Fortuna Düsseldorf, dem FC Schalke 04, dem SC Paderborn und dem 1. FC Nürnberg haben mittlerweile vier Fußballvereine der beiden höchsten Spielklassen Symbole der »Hooligans gegen Salafismus« (HoGeSa) in ihren Stadien verboten. Weitere Vereine aus Mainz, Bielefeld und Augsburg könnten folgen.

Ein für den 15. November geplanter HoGeSa-Aufmarsch durch Hamburg wurde gestern vom Anmelder abgesagt. Laut Medienberichten sollen lokale Hooligans ihm die Unterstützung entzogen haben. Spekuliert wird darüber, ob Angst vor antifaschistischen Fans des FC Sankt Pauli und dem Umfeld des linken Zentrums Flora dabei eine Rolle spielte.

»Wir gehen im Grundsatz davon aus, dass kein Aufmarsch stattfinden wird«, sagte ein Sprecher der Hamburger Polizei am Freitag gegenüber »nd«. Die Behörde bleibt jedoch skeptisch: »Prinzipiell kann es natürlich sein, dass ein anderer eine Veranstaltung anmeldet.« Die Partei »Die Rechte« verkündete gleichfalls gestern, die Hamburger Proteste seien durchaus nicht abgesagt, lediglich der Anmelder sei »eingeknickt«. Es werde »in Hamburg an dem Tag trotzdem eine Demonstration gegen Salafisten geben«, kündigen die militanten Nazis mit Vernetzung ins Milieu problematischer Fußballfans an. Tatsächlich wird mit einer neuen Facebook-Seite weiterhin für Proteste am 15. November in der Hansestadt mobilisiert.

Von einem Verbot bedroht ist derweil eine Demonstration »Gegen Salafisten, Islamisierung, Flüchtlingspolitik« am 9. November am Brandenburger Tor in Berlin. Innensenator Frank Henkel plant, die Machtdemonstration zu untersagen. Der Christdemokrat beruft sich dabei insbesondere auf Drohungen, denen zufolge Köln »erst der Anfang« gewesen sei. Beim dortigen Aufmarsch waren am vergangenen Sonntag über 40 Polizisten verletzt sowie Passanten attackiert worden waren. Diejenigen, die sich unmittelbar danach noch als Avantgarde einer bundesweit mobilisierungsfähigen »Volksfront rechts der AfD« wähnten, klagen nun in sozialen Netzwerken wie Facebook über eine angebliche Zensur, eine »Nazi-Phobie« sowie ein Ende der Meinungsfreiheit für Vertreter politisch unliebsamer Positionen.

»Es bleibt abzuwarten, wer eigentlich das Ruder bei HoGeSa in die Hand nimmt und wie sich die ungewöhnlichen Allianzen aus Hooligans, Rechtsextremisten, aber auch Kurden entwickeln«, sagte die auf Neonazis und rechte Fußballfans spezialisierte Konfliktforscherin Claudia Luzar gegenüber »nd«. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius forderte derweil die Etablierung einer bundesweiten Task-Force zur Bekämpfung von HoGeSa, die beim Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum von Bund und Ländern angesiedelt sein sollte.

Inzwischen haben die Kölner Krawalle Wirkung ins Ausland entfaltet. So ist in Österreich das Interesse an derartigen Bündnissen und Aktionen deutlich gestiegen. Anfangs war nur eine Gruppe »HoGeSa Demo Köln - Anreise Wien/Österreich« aktiv. Inzwischen fanden sich auch andere österreichischen Hools und Neonazis. Treibend sind dabei angeblich die Neonazi-Gruppe »Unsterblich« und »EisernWien«.

»Unsterblich«-Kameraden stehen derzeit in Wien wegen des Angriffs auf das Ernst Kirchweger Haus - ein Zentrum der autonomen Bewegung - vor Gericht. Einer der Angeklagten ist laut dem Internetportal »stoppt die rechten« Michael K. Der Frontmann der »Ultras Sur Wien« war in Köln offenbar dabei. Die Gruppe soll in Kontakt mit dem wegen vielfachen Mordes verurteilten norwegischen Neonazi Anders Breivik stehen. Zumindest hat Breivik sein »Manifest« auch an diese Truppe verschickt.

Mittlerweile sind alle österreichischen Hooligan-Seiten gegen Salafisten von Facebook geschlossen worden.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung