Das unwillkommene Geschenk

Wie der Westparagraf 218 aus selbstsicheren Ostfrauen Bittstellerinnen machte

  • Von Silvia Ottow
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.

Als in der Bundesrepublik Deutschland am 3. Juli 1971 das Magazin »Stern« mit den Konterfeis vieler prominenter Frauen unter der Schlagzeile »Ich habe abgetrieben« erschien, war man in der DDR auf Anraten des Demokratischen Frauenbundes gerade dabei, ein Gesetz zu erarbeiten, das es jeder Frau ermöglichte, eine Schwangerschaft bis zum dritten Monat abzubrechen, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen. Es trat 1972 in Kraft und sollte schon 18 Jahre später - begleitet von trunkener Einigkeitseuphorie - unter mächtigen Mauerbrocken begraben werden.

Davon ahnt die Medizinerin Edith Ockel nichts, als sie am 10. November 1989 mit zwei Kolleginnen aus dem Ministerium für Gesundheitswesen der DDR, wo sie als Abteilungsleiterin für den Gesundheitsschutz von Mutter und Kind zuständig ist, im Restaurant auf dem Berliner Fernsehturm sitzt. Wie jedes Jahr wollen sie Geburtstag feiern, aber die Gespräche drehen sich nicht um die Arbeit ode...

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