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Unterschiede in der Geburtshilfe

Mehr Klinikgeburten - weniger Kaiserschnitte

  • Von Andrea Klingsieck
  • Lesedauer: 2 Min.

Sein Baby außerklinisch, in einem Geburtshaus zur Welt zu bringen, ist in Frankreich weitaus seltener eine Alternative zur Klinikgeburt.

In Frankreich sind im vergangenen Jahr 810 000 Kinder zur Welt gekommen, in Deutschland 680 000. Die französische Geburtenrate liegt mit knapp zwei Kindern pro Frau weit über der deutschen Geburtenrate (1,4). Von den 810 000 Geburten, die im vergangenen Jahr in Frankreich stattfanden, waren nur 3000 Hausgeburten oder Geburten in Geburtshäusern. In Deutschland fanden 12 000 der 680 000 Geburten zu Hause oder in Geburtshäusern statt.

In Deutschland gibt es bundesweit etwa 60 Geburtshäuser; in Frankreich derzeit nur zwei. Ein weiteres Dutzend Geburtshäuser könnte jedoch in den nächsten Jahren entstehen. Ende September hat die französische Gesundheitsbehörde HAS die Bedingungen veröffentlicht, unter welchen Geburtshäuser ab 2015 in Frankreich versuchsweise geschaffen werden können. Einer Umfrage zufolge wären zehn Prozent der Französinnen an einer außerklinischen Entbindung interessiert.

In Deutschland arbeiten 60 Prozent der Hebammen freiberuflich, in Frankreich tun dies nur 18 Prozent. Deren durchschnittliches Bruttogehalt liegt in Deutschland mit 2400 Euro höher als in Frankreich (2000 Euro). Wegen ihrer schlechten Arbeitsbedingungen streikten die französischen Hebammen im Herbst diesen Jahres.

Aufgrund der französischen Gesundheitspolitik der vergangenen Jahre, die dazu tendiert, kleine Geburtenkliniken zu schließen oder mit größeren Strukturen zusammenzulegen, finden in Frankreich bereits 19 Prozent aller Geburten in Kliniken mit über 3000 Entbindungen pro Jahr statt. In Deutschland betrifft dies weniger als fünf Prozent der Geburten.

Ein weiterer Aspekt der Übermedikalisierung der Geburt in Frankreich: je nach Klinik wählen 70 bis 80 Prozent der Gebärenden eine Periduralanästhesie (PDA); in Deutschland entscheiden sich nur 30 Prozent dafür. Allerdings finden in Frankreich nur 21 Prozent der Geburten per Kaiserschnitt statt. In Deutschland liegt diese Rate mittlerweile schon bei 31 Prozent.

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