Werbung

Fliegen am Rande der Effizienz

Neuer Index zu CO2-Emissionen im Flugverkehr

  • Von Manfred Schwarz
  • Lesedauer: 3 Min.
Flugzeuge gelten als Klimakiller. Zurecht, wie ein neuer Bericht zum Ausstoß von Klimagasen zeigt. Ein Problem ist die Effizienz.

Meist gelten die Autos als klimapolitische Sündenböcke. Von der absoluten Menge her stimmt das noch, die CO2-Emissionen nahmen aber leicht ab. Beim Flugverkehr dagegen ist der Trend zu einem steigenden Klimagasausstoß ungebrochen.

Zwar verringerten die großen Fluggesellschaften der Welt ihre CO2-Emissionen von 2011 zu 2012 um ein Prozent, gerechnet pro Passagier und Kilometer. Parallel zur Effizienz stiegen aber die gesamten Emissionen des Luftverkehrs um etwa drei Prozent an. Dies geht aus dem neuen Atmosfair Airline Index (AAI) hervor, der am heutigen Montag in Berlin vorgestellt wird. In den jährlich berechneten und 2014 auf den jüngsten verfügbaren Daten der Branche von 2012 beruhenden Index gehen etwa 92 Prozent des weltweiten Luftverkehrs ein.

Der Grund, dass im Flugwesen das Wachstum die Effizienzgewinne deutlich übertrifft, liegt für Atmosfair vor allem im Boom der Branche. Mit ihren Emissionen, kritisiert das Portal, liege der Luftverkehr denn auch nach wie vor im Bereich der weltweiten CO2-Wachstumsraten von jährlich etwa drei Prozent und sei weit entfernt davon, dazu beizutragen, die globale Erwärmung auf maximal zwei Grad Celsius zu beschränken. Angesichts dessen ruft Atmosfair-Geschäftsführer Dietrich Brockhagen »nach einer Verdoppelung der Bemühungen der Staaten auf der kommenden Klimakonferenz in Peru«.

Allerdings wird gerade das Fliegen klimapolitisch mit Samthandschuhen angefasst. Die internationale Luftfahrtorganisation ICAO hatte 2013 in Montreal entschieden, eventuell 2015 beschließen zu wollen, zukünftig die CO2-Emissionen des Luftverkehrs auf dem Stand von 2020 einzufrieren. Das Wenn und Hätte lässt auch Brockhagen wenig Raum für Zweifel: »Es ist zu befürchten, dass sich der Anstieg der Emissionen auch in den nächsten Jahrzehnten wie bisher fortsetzt.«

Die Angst ist auch technisch nicht unbegründet. Die steigende Effizienz, das zeigt der aktuelle AAI, beruht vor allem auf den Ersatz älterer Modelle wie der Boeing 747 durch die Boeing 777 oder den Airbus 330. Auch habe sich die Auslastung der Flugzeuge weiter verbessert. An der Spitze der 193 im Index ausgewerteten Fluggesellschaften liegt denn auch im internationalen Vergleich mit Okay Airways eine junge chinesische mit »moderner Flotte und hoher Auslastung«, wie Atmosfair lobt.

Mehr als 70 Prozent Auslastung der Flieger sind logistisch über alle Strecken und Jahreszeiten in der Regel nicht drin. Auch wird es größere Zivilflugzeuge, die den Aufwand pro Passagier senken, als zum Beispiel den Airbus 380, kaum geben können. Die Wege, auf denen die Fluggesellschaften bisher die Effizienz verbesserten, scheinen langsam versperrt. Gegenüber der Autobranche hat das Flugwesen den weiteren Klimanachteil, dass es absehbar keine praktikablen alternativen Antriebe wie Hybrid, Biosprit, Erdgas oder gar Elektro geben wird.

Dennoch wird das Fliegen mehr und mehr unter klimapolitischen Handlungsdruck geraten.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!