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43 Studenten ermordet und verbrannt

Mexiko: Geständnisse von Bandenmitgliedern erhärten den lange gehegten schrecklichen Verdacht

  • Von Regine Reibling, Quito
  • Lesedauer: 2 Min.
Sechs Wochen nach dem Verschwinden der mexikanischen Studenten haben drei Bandenmitglieder gestanden, die 43 Menschen verbrannt zu haben.

Diese Nachricht hat ganz Mexiko gefürchtet. Die verschleppten Studenten sind mit großer Wahrscheinlichkeit tot. Ermordet und verbrannt. Drei Mitglieder der kriminellen Bande »Guerreros Unidos« haben laut Generalstaatsanwaltschaft gestanden, die Studenten exekutiert zu haben.

Generalstaatsanwalt Jesus Murillo Karam zeigte auf einer Pressekonferenz Videomitschnitte der Verhöre. Die Schilderungen der mutmaßlichen Täter gleichen einem Horrorfilm. Die Körper der Studenten seien auf einer Müllkippe zusammen mit Reifen und Holz mit Benzin übergossen und angezündet worden. Das Feuer habe bis zum nächsten Tag, bis zu 14 Stunden lang gebrannt, so eine der Aussagen. Die verkohlten Reste hätten die Täter dann in Tüten verpackt und in einen nahen Fluss geworfen. Die Ermittler hätten dort menschliche Überreste gefunden, so der Generalstaatsanwalt. Diese seien aber in einem schwer identifizierbaren Zustand. Deshalb sollen die Überreste nun von Spezialisten in Österreich an der Universität Innsbruck untersucht werden. Wie lange diese Untersuchungen dauern werden, ist unklar. Bis ein DNA-Abgleich vorliegt, gelten die Studenten laut Generalstaatsanwalt weiter als verschwunden.

43 Lehramtsstudenten waren Ende September nach einer Protestaktion in der Stadt Iguala im Südwesten Mexikos verschwunden. Sechs Menschen waren zuvor getötet worden. Der Bürgermeister von Iguala, José Luis Abarca, und seine Frau sollen die Festnahme der Studenten angeordnet haben. Die Frau befürchtete, dass die Studenten eine geplante Veranstaltung stören könnten. Polizisten übergaben die Studenten der kriminellen Bande Guerreros Unidos. Mitglieder der Gang sollen die Studenten dann auf einer Art Viehtransporter und in einem Transporter von Iguala in die rund 20 Kilometer entfernte Gemeinde Cocula gebracht haben. Auf der Fahrt sollen 15 Studenten bereits erstickt sein.

Sowohl Polizisten als auch die örtlichen Politiker standen in Iguala auf der Gehaltsliste der kriminellen Bande. Der Korruptionssumpf zwischen Politik, Sicherheitskräften und Drogenkartellen scheint vor allem im Bundesstaat Guerrero zu blühen. Amnesty International Mexiko spricht von einem Versagen der Regierung. Die Verschleppung der Studenten sei nur das letzte Glied einer Horrorserie, sagte Erika Guevara Rosas, Direktorin von Amnesty International Amerika. Korruption und Gewalt im Land seien als Warnhinweise einfach ignoriert worden. Somit hätten sich die Behörden, die viel zu spät mit den Ermittlungen begonnen hätten, zu Komplizen dieser Tragödie gemacht.

Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto sprach von einem »sehr schweren Moment für das ganze Land«. In Mexiko-Stadt versuchten vermummte Angreifer, in den Nationalpalast einzudringen. Im Bundesstaat Guerrero bewarfen Demonstranten den Sitz der Regionalregierung mit Brandsätzen und zündeten Autos an.

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