Augenhöhe

Michael Stenger, Flüchtlingsaktivist, gewann den Bambi für »Integration«.

  • Von Velten Schäfer
  • Lesedauer: 2 Min.

Mit der »Augenhöhe«, dem großen Thema seines kleinen Auftritts, ist es für Michael Stenger so eine Sache: Auf dem Gruppenfoto der diesjährigen Gewinner des Medienpreises »Bambi« ragt der 55-jährige Münchner um Kopfeslänge aus den Stars und Sternchen heraus. Auffallend war die Preisverleihung an den gelernten Dozenten für Deutsch als Fremdsprache aber auch in anderer Hinsicht. Zwar ist es schon seit Längerem üblich, dass bei der großen Gala zur Verleihung des von einer großen Verlagsgruppe gestifteten Preises nicht nur diejenigen geehrt werden, die man ohnehin ständig im Fernsehen sieht, sondern auch stillere »Helden«, die gute Werke tun. Doch dass ein Preisträger zwischen all dem Süßholzgeraspel sogar deutliche Worte zu sozialen Verhältnissen findet, fällt doch noch immer ein wenig aus dem Rahmen.

Seit den späten 1980er Jahren schon engagiert sich Stenger für Flüchtlinge in Deutschland. Daraus eine Lebensaufgabe zu machen, beschloss er als Reaktion auf die aggressive Stimmung gegen »Asylanten« in den frühen 1990er Jahren. Besonders empörte ihn damals, dass jugendlichen Flüchtlingen ihr »Menschenrecht auf Bildung« verwehrt wurde. Also gründete er die »SchlaU-Schule« - und irgendwann wurde der »Schulanaloge Unterricht« auch behördlich anerkannt. Heute lernen auf der »Ergänzungsschule« 200 Schüler für einen Hauptschulabschluss, der ihnen einen sozialen Einstieg ermöglicht.

Stenger fächelte sich vor seinem Auftritt verlegen Luft zu, fand dann aber klare Worte. Er erinnerte daran, dass Deutschland mit seinem Rüstungsexport »nicht ganz unbeteiligt« an jenen Fluchtbewegungen sei, die die »Bunte«-Chefin Patricia Riekel im Hollywoodstil anmoderiert hatte. Und auch sein Satz, das Aufnehmen von Menschen beginne mit »Augenhöhe«, blieb nicht im Menschelnden stecken. Persönlich sprach er den anwesenden Innenminister an: Mit ihm würde er gern »ein Bierchen trinken, gerade was diese Augenhöhe angeht«.

Ob es dazu gekommen ist, berichteten die bunten Magazine freilich nicht.

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