SO 36 will Abitur machen

Eltern in Kreuzberg kämpfen für eine Oberstufe an der Refik-Veseli-Sekundarschule

Eltern aus dem Kreuzberger SO 36- Kiez kämpfen seit Monaten für eine Oberstufe an der Refik-Veseli-Sekundarschule. Sie wollen, dass ihre Kindern bis zum Abitur gemeinsam lernen können.

Die Metamorphose ist fast perfekt. Erst im Oktober hatte sich die ehemalige ISS Skalitzer Straße den Namen Refik Veseli gegeben, nach einem muslimischen Albaner, der während des Zweiten Weltkrieges eine jüdische Familie im Haus seiner Eltern im Dorf Kruja versteckte und der in Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern geehrt wird.

Mit dem neuen Namen kam eine neue Schulleiterin und mit ihr ein neues, moderneres Schulkonzept. Zusammen wurde ein Programm erstellt, das ab dem kommenden Schuljahr gelten soll. Geplant sind der Ausbau des Ganztagsbetriebes, ein Montessori-Zweig, inklusives Lernen und individuelle Förderpläne für jedes Kind, es gibt Theaterprojekte in Zusammenarbeit mit den Kulturagenten. Der Ruf als Brennpunktschule soll endgültig Geschichte sein.

Nun gehen Eltern der umliegenden Grundschulen einen Schritt weiter und fordern für die Refik-Veseli-Schule eine Oberstufe. »Wir wollen, dass unsere Kinder die Chance bekommen, gemeinsam bis zum Abitur zu lernen«, sagt einer der Elternvertreter der Fichtelgebirge-Grundschule. Insgesamt haben sich Eltern aus fünf Grundschulen aus der Umgebung mit Eltern der Refik-Veseli-Schule zu der Initiative »Schulentwicklung SO 36« zusammengeschlossen.

Am Freitag überreichten Elternvertreter eine Unterschriftenliste, die von 1136 Unterstützern gezeichnet wurde, an Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD). Stellvertretend nahm ein Pressereferent die Listen entgegen. In der Verwaltung wird derzeit noch geprüft, wie sich die Schülerzahlen in der Region entwickeln und welchen Bedarf es gibt, heißt es aus der Pressestelle. Die Schule spiele bei den Überlegungen aber eine »zentrale Rolle«. »In einem ersten Gespräch mit Herrn Rackles Mitte September hat er unser Anliegen durchaus ernst genommen«, berichten die Eltern bei der Übergabe der Unterschriften vor der Senatsbildungsverwaltung.

Bisher gibt es im gesamten Kiez keine Schule, die durchgängig zum Abitur führt. Auch die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Friedrichshain-Kreuzberg unterstützt das Anliegen der Eltern. »Wir haben hier eine regionale Unterversorgung durch die Benachteiligung eines Stadtteils, in dem keine Oberstufe angeboten wird«, heißt es in einem dringlichen Beschluss der BVV von Ende September, den Piraten, SPD, Grüne und LINKE eingebracht hatten. Berlinweit bieten 39 der 120 Sekundarschulen eine erweiterte Oberstufe an.

Momentan nehmen Kinder, die Abitur machen wollen, einen Schulwege nach Britz, Schöneberg oder Friedrichshain in Kauf. Für einige der engagierten Eltern wird es dringend, da ihre Kinder in die sechste Klasse gehen und im Februar die Anmeldungen für die weiterführenden Schulen beginnen. Eine Alternative wäre die stärkere Kooperation mit dem Oberstufenzentrum Handel in der Wrangelstraße, aber das sehen die Eltern kritisch. »Dort einen Wirtschaftsleistungskurs zu besuchen ist eine Option, aber wir wollen, dass die Oberstufe an der Schule stattfindet.«

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