Klischee und Entrechtung

Lange ein Tabuthema, wurde »Armut« durch Hartz IV schlagartig zu einem Topthema deutscher Massenmedien

  • Von Christoph Butterwegge
  • Lesedauer: ca. 7.0 Min.

Armut hat einen tiefgreifenden Funktionswandel erfahren: Die Furcht aller Besitzenden vor den »gefährlichen Klassen« ist umgeschlagen in deren bloße Verachtung und mediale Verleumdung.

Ohne ein positives Echo der Massenmedien wären die sogenannten Hartz-Reformen, vor allem das am 1. Januar 2005 in Kraft getretene und als »Hartz IV« bekannte Vierte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt, vermutlich nicht durchsetzbar gewesen. Man kann es der Entwicklungsdialektik zuschreiben, dass mit Hartz IV vor zehn Jahren auch die soziale Frage in den Mediendiskurs zurückgekehrt ist. Vor allem die Armut von Kindern spielt seither in Rundfunk und Fernsehen ebenso wie in den Printmedien eine viel größere Rolle als zuvor.

Medienberichte als publizistischer Flankenschutz der Reformer

Der arbeitsmarkt-, gesundheits- und sozialpolitische Rollback, den die rot-grüne Koalition seit Schröders am 14. März 2003 im Bundestag gehaltener »Agenda«-Rede bewerkstelligte, war nur möglich, weil sich die neoliberale Hegemonie, wie sie in der Ökonomie als für Wirtschaft und Beschäftigung »zuständiger« Fachwissenschaft schon...

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