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»Wir stellen uns eine Art Schneedrucker vor«

Michael Bacher über »grünen« Schnee und künstlich erzeugte Wolken, die es schneien lassen

Herr Bacher, Sie wollen eine künstliche Wolke herstellen, die auf Knopfdruck Schnee produziert. Das klingt fantastisch. Wie soll das funktionieren?
Unsere künstliche Wolke wird in einer Wolkenkammer generiert und erzeugt. Wenn die Temperaturen tief genug sind, sprühen wir in diese Wolkenkammer einen feinen Nebel von kleinsten Wassertröpfchen hinein und vermischen diese mit kleinsten Eispartikeln. In der Folge wachsen an diesen kleinen Eisplättchen größere Eiskristalle. Diese werden größer und schwerer. Und dann fallen sie nach unten und bilden den Schnee. Der ist so ähnlich, wie wenn er vom Himmel fällt.

Wie sieht die konkrete Anwendung aus? Rieselt der Schnee aus der Wolkenkammer dann auf die Skigebiete?
Ja, aus dieser Wolkenkammer schneit es heraus. Allerdings ist die Wolkenkammer für diesen Winter noch ein stationäres Testgerät. Es sieht ballonartig aus und ist ungefähr dreieinhalb Meter hoch, der Durchmesser beträgt ca. zwei bis zweieinhalb Meter. Für eine Beschneiung von kleinen Flächen wäre es sinnvoll, wenn die Wolke mobil wäre. Auch daran arbeiten wir bereits. Wir stellen uns eine Art Schneedrucker vor, ein mobiles Gerät, das eine oder mehrere Wolkenkammern mit sich trägt. Dieses Gerät soll sich langsam, wie eine Pistenraupe nur mit kleineren Raupen, über größere Flächen bewegen und diese beschneien. Momentan konzentrieren wir uns aber noch auf die Anforderungen der Skigebiete, Neuschnee für kleine Gebiete zu erzeugen, zum Beispiel für Anfängerpisten oder Funparks.

Ist dieses Verfahren denn schon eingesetzt worden?
Bislang haben wir die Entwicklung im Labor vorangetrieben. Aber es gibt Interesse, das Verfahren auch für andere Anwendungszwecke verfügbar zu machen. Deswegen werden wir in diesem Winter ein größeres Gerät im Freien testen, um einerseits die möglichen Anwendungsfelder zu identifizieren und andererseits Schnee in größeren Mengen zu produzieren.

Es ist die Rede vom »grünen« Schnee. Was ist damit gemeint?
Im Unterschied zu den bereits angewendeten Methoden der künstlichen Schneeerzeugung ist es in unserem Fall so, dass wir Eiskristalle wachsen lassen. Wir erzeugen Schnee, wie ihn auch die Natur produziert. Das heißt, wir machen aus wenig Wasser relativ viel Schnee. Wir produzieren bestenfalls aus einem Kubikmeter Wasser 15 Kubikmeter Schnee. Unsere Geräte müssen deshalb auch mit relativ wenig Wasser versorgt werden. Bei den bekannten Schneekanonen ist es so, dass sie aus einem Kubikmeter Wasser nur bis zu zwei Kubikmeter Schnee machen könne. Überdies haben sie einen sehr hohen Wasserverbrauch. Konkret verbrauchen sie oft bis zu 50-60 Kubikmeter Wasser pro Stunde - und die müssen bereitgestellt werden. Das ist ein sehr großer Energiefaktor in der Energiebilanz. Mindestens 50 Prozent, wenn nicht mehr, der gesamten traditionellen Schneeproduktion besteht aus der Bereitstellung von Wasser. Mit unserem Verfahren können wir aber dieselbe Menge Schnee mit nur einem Siebtel der Wassermenge produzieren. Das ist die eine Seite der Energieeffizienz.

Die andere Seite ist, dass die Wolkenkammer an sich mit sehr viel weniger Energie auskommt. Wir verwenden keine starken Ventilatoren und keine großen Kompressoren für den Betrieb einer Wolkenkammer oder eines Neuschneegenerators. Eigentlich reicht der normale Haushaltsstrom aus.

Gibt es auch ökologische Risiken?
Ökologische Risiken kann man natürlich immer dann identifizieren, wenn man beginnt, ein natürliches Produkt zu produzieren. Unsere Art Schnee zu machen, ist natürlich auch nicht nachhaltig. Eigentlich sollte man warten, bis der Schnee vom Himmel fällt. Doch das ist in vielen Teilen Österreichs und im Alpenraum nicht mehr möglich. Da der Wintersport und der Tourismus aber wichtig für die Volkswirtschaft sind, sind Beschneiungsanlagen nötig. Und wir glauben, dass unser Verfahren nicht nur ökologisch besser ist, sondern unser Schnee auch weicher und natürlicher ist.

Wer arbeitet an Ihrem Projekt mit und wer fördert es?
Die Entwicklung haben wir bisher an der Universität für Bodenkultur in Wien vorangetrieben, zusammen mit der Technischen Universität Wien. Seit Juli gibt es ein Spin-off der beiden Universitäten, die Neuschnee GmbH. Dieses Start-up Unternehmen ist für die weitere Entwicklung verantwortlich und finanziert das Projekt zur Hälfte, die andere kommt von der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft.

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