Kritik an TV-Film

Kirsten Heisig

Der Berliner Jugendrichter Andreas Müller übt scharfe Kritik an dem ARD-Film »Das Ende der Geduld«. Müller war ein Weggefährte der Jugendrichterin Kirsten Heisig, auf deren Geschichte der Film beruht, der am 19. November ab 20.15 Uhr im Rahmen der ARD-Themenwoche zum Thema Toleranz im Ersten ausgestrahlt wird. »Ich erkenne Kirsten und ihr Werk in dem Film nicht wieder«, sagte Müller der »Neuen Osnabrücker Zeitung«.

Kirsten Heisig hatte sich 2010 das Leben genommen. Bundesweit bekannt wurde die Berliner Juristin durch das Buch »Das Ende der Geduld. Konsequent gegen jugendliche Gewalttäter«, das nach ihrem Tod erschien und ein Plädoyer für schnelle Bestrafungen zur wirksamen Bekämpfung von Jugendkriminalität enthält.

Andreas Müller sagte, obwohl Kirsten Heisig Depressionen hatte, erwecke der ARD-Film den Eindruck, ihr Tod könnte andere Motive gehabt haben. »Es kommt so rüber, als hätte sie einfach aufgegeben«, sagte er: »Kirsten Heisig war aber krank und sonst nichts.«

Der Jurist wirft den Machern zudem vor, dass der Film, obwohl er Höhepunkt der Themenwoche Toleranz sein soll, Vorurteile gegen Migranten noch verstärken könnte: »Ich bezweifle, dass dieser Film etwas für die Toleranz tut«, sagte Müller. Dass die Hauptfigur Corinna Kleist alias Kirsten Heisig zu einer Muslimin sagt, sie brauche kein Geld, sondern einen Deutschkurs, ärgert Müller: »So etwas hätte Kirsten nie gesagt.«

Das Drehbuch von Stefan Dähnert, inszeniert von Regisseur Christian Wagner, stützt sich vor allem auf Heisigs Buch. »Das Buch ist eine Art Blaupause«, sagte Wagner: »Aber die Kunst der Dramaturgie ist eben Verdichtung und Zuspitzung.« epd/nd

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