Laserkanonen und fliegende Flugzeugträger

USA wollen mit umfassender Modernisierung der Streitkräfte ihre militärische Überlegenheit sichern

Die US-Streitkräfte sollen nach dem Willen des Pentagon umfassend modernisiert werden, um die militärische Überlegenheit gegenüber Ländern wie China oder Russland zu erhalten und auszubauen.

Sollten Sie Ideen haben für einen »fliegenden Flugzeugträger« für unbemannte Drohnen, dann wenden Sie sich vertrauensvoll an die DARPA. Hinter diesem Akronym verbirgt sich die Forschungsbehörde des Pentagon, und die hat gerade Rüstungsfirmen aufgerufen, sich bis Ende des Monats mit Konzepten für ein solches Fluggerät zu bewerben. In vier Jahren wolle man die Technick vorstellen, wie es in der Ausschreibung der Behörde heißt. Man kann sich ja von der Comicverfilmung »The Avengers« inspirieren lassen, in der solche »Helicarrier« zu bewundern sind.

Das Projekt passt in die Strategie, die Pentagon-Chef Chuck Hagel am Wochenende auf einer Konferenz in der Ronald Reagan Presidential Library unweit von Los Angeles präsentiert hat: Er will die US-amerikanischen Streitkräfte umfassend modernisieren, zum Beispiel mit Hilfe der Robotertechnik, Miniaturisierung oder Datenverarbeitung. Im Rahmen der neuen »Defense Innovation Initiative« werde sein Ministerium auf Unternehmen und Universitäten zugehen. Man wolle schon demnächst gemeinsam festlegen, »welche Technologien und Systeme in den kommenden drei bis fünf Jahren entwickelt werden müssen«, zitierte das »Wall Street Journal« den Verteidigungsminister. Laut Pentagon-Experten gehe es dabei auch um Langstrecken- und Überschallwaffen, Programme zur Internetsicherheit sowie unbemannte Waffensysteme. Wieder ausgegraben wurde schon die vor einiger Zeit aus technischen wie finanziellen Gründen begrabene Idee von Jagdflugzeugen, die mit Laserwaffen ausgestattet werden sollen.

»Während wir die vergangenen 13 Jahre in zwei große Landkriege verwickelt waren, haben potenzielle Gegner ihr Militär modernisiert«, so Hagel. In den 70er und 80er Jahren hätten die USA die Militärwelt bereits mit Präzisionswaffen, Tarnkappenfliegern und Überwachungstechniken nachhaltig verändert. Man könne aber nicht davon ausgehen, dass diese im Kalten Krieg erworbene militärische Überlegenheit automatisch erhalten bleibe. Ohne neue Anstrengungen würde die Welt instabiler und gefährlicher werden und »weitaus bedrohlicher für Amerika und seine Bewohner als der Zweite Weltkrieg«.

Hagel erwartet, dass die Pläne zu einem ähnlichen technischen Sprung wie die Kernwaffen in den 50er Jahren führen werden. Bereits am Freitag (Ortszeit) hatte der Verteidigungsminister eine milliardenschwere Modernisierung des US-amerikanischen Atomwaffenarsenals angekündigt. Nukleare Abschreckung sei nach wie vor unerlässlich für die USA. Doch Atombomber, Atom-U-Boote und Raketensilos seien oft viele Jahrzehnte alt und vernachlässigt worden.

Überprüfungen der Atomstreitkräfte, die nach zahlreichen von Pannen auf allen drei Basen für die Interkontinentalraketen im Februar angeordnet worden waren, offenbarten erhebliche Sicherheitsprobleme. So bestätigte Hagel auch einen Bericht der »New York Times«, wonach sie für insgesamt 450 Interkontinentalraketen nur einen einzigen speziellen »Werkzeugschlüssel« zur Montage der Nuklearsprengköpfe zur Verfügung hatten, den man mit einem privaten Postdienst hin- und herschickte.

Hagel bezifferte die zusätzlichen Ausgaben für die kommenden fünf Jahre auf etwa ein Zehntel der Gesamtkosten für das Atomarsenal. Diese lägen zwischen 15 und 16 Milliarden Dollar (12,2 und 12,8 Milliarden Euro). Zugleich will man laut dem Strategiepapier »Doctrine for Joint Nuclear Operations« vom März 2005 aber auch neue Kernwaffen entwickeln - etwa taktische Mini-Nukes, mit denen selbst tief gelegene Bunker zerstört werden könnten. In den nächsten zehn Jahren soll dieses Programm rund 355 Milliarden Dollar verschlingen.

Was die »Defense Innovation Initiative« kosten wird, ließ Hagel jetzt offen. Die Initiative werde sich aber im Laufe der Zeit immer deutlicher auf den Etat seines Ministeriums auswirken, so der Pentagon-Chef kryptisch. Nachdem sich der Verteidigungsetat nach den Terroranschlägen vom 11. September 201 laut »Army Times« um 85 und einschließlich der Kosten für Auslandseinsätze sogar um 104 Prozent erhöht hatte, schrumpfte das Budget in den vergangenen beiden Jahren wieder. Doch geben die USA mit offiziell 618 Milliarden Dollar noch immer 3,8 Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes und weit über 40 Prozent der weltweiten Militärmittel für Armee und Krieg aus. Rechnet man die im Haushalt des Energieministeriums versteckten Atomwaffenkosten hinzu, weitere verteidigungsrelevante Posten in den Budgets anderer Ressorts, die Sicherheitsausgaben für Heimatschutz und Nachrichtendienste sowie die Veteranenversorgung, dann stehen unter dem Strich sage und schreibe rund 900 Milliarden Dollar.

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