Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung
  • Kultur
  • Bücher zum Verschenken

Ein Sohn, sein Vater, seine Mutter und ihr Lover

Mooses Mentula lässt seinen Roman im nordfinnischen Lappland spielen

Die Touristen aus den großen Städten im Süden lieben die nördlichen Regionen mit ihren Seen und Wäldern, die nahezu unberührte Natur und die unkomplizierten Menschen. Es stört sie nicht, dass sie eine Stunde fahren müssen, um einen kleinen Supermarkt oder eine Tankstelle zu finden. Sie entspannen in ländlicher Einsamkeit, verbringen ein paar Urlaubswochen unter den Nordlichtern und reisen wieder ab. Was sie nicht mitbekommen: Weit und breit gibt es keine attraktiven Arbeitsplätze; die Einheimischen ernähren sich als »Selbstständige« mehr schlecht als recht von dem, was in einem dünn besiedelten Landstrich möglich ist. Vor allem die jungen Frauen halten es nicht aus, dass das Leben nur aus Arbeit besteht und so gar nichts von dem einlöst, was die Werbung verspricht.


Buch im nd-Shop bestellen:
* Mooses Mentula: Nordlicht – Südlicht. Roman. A. d. Finn. v. Antje Mortzfeldt.
Weidle Verlag. 264 S., geb., 23 €.


Nein, hier geht es nicht um die Uckermark oder das Mecklenburgische Binnenland, Mooses Mentulas (geb. 1976) Debüt »Nordlicht - Südlicht« spielt im nordfinnischen Lappland. Mentula hat dort lange als Lehrer gearbeitet und gelernt, mit Wenigem auszukommen. Für einen ebenso fesselnden wie humorvollen, dabei hoch dramatischen Roman benötigt er ganze vier Haupt- und eine Handvoll Nebenpersonen. Jouni Korhonen ist Rentierzüchter wie die meisten Männer im Norden. Er arbeitet täglich zwölf Stunden und kommt kaum über die Runden. Marianne, seine Frau, eine Schönheit aus dem Süden, langweilt sich, seit ihr Sohn Lenne zur Schule geht. Weitere Kinder hat sie nicht, nur mehrere Fehlgeburten überstanden. Ihre kleine Schweinefarm verursacht nur Kosten, weshalb Jouni noch mehr Zeit im Wald verbringen muss.

Marianne vermisst alles, was das Leben einer modernen Frau lebenswert macht, also Flirts und Shopping. Nicht einmal der eigene, inzwischen ungeliebte Mann ist da zum Reden. So bleibt nur der allabendliche Ehestreit, um den Frust abzubauen. Oder sie räkelt sich als »Marjushka« halbnackt und mit einer blonden Perücke getarnt vor der Webcam. Der Leidtragende ist Lenne, der elfjährige Sohn. Er reagiert mit Prügeleien und Leistungsverweigerung in der Schule. Der Vierte im Bunde ist Jyri, der neue Lehrer, der aus dem Süden gekommen ist, um seinen Vater zu finden, den er nie kennengelernt hat. Eine Rentiermarkierung ist alles, was Jyri von ihm hat. In seiner Vorstellung war der Vater immer ein starker Mann aus dem Norden, einer wie ... Jouni.

Nun kommen die Dinge ins Rollen. Marianne lernt Jyri kennen und beginnt eine Affäre mit ihm. Jouni weiß nichts davon, merkt aber, dass ihm seine Frau immer mehr entgleitet. Ein weiteres Kind muss her, damit sie etwas zu tun hat. Vor dem wöchentlichen Beischlaf sticht er Löcher in alle vorhandenen Kondome. Dann ist Marianne schwanger, und diesmal wird sie das Kind behalten. Für sie steht fest, dass Jyri der Vater sein muss.

Die lapplandtypische Lösung bahnt sich an: Die Frau zieht mit dem Lover in den Süden, der Mann bleibt mit dem Sohn im Norden zurück.

Doch so einfach entlässt uns Mentula nicht aus seiner Geschichte. Jyri mag Lenne und sieht, dass sich hier sein Schicksal wiederholt, ein Aufwachsen ohne intakte Familie. Er trennt sich von Marianne. Die richtet sich darauf ein, bei Jouni und Lenne zu bleiben und ein Kuckuckskind aufzuziehen. Noch ist ihr Doppelleben ein Geheimnis, so glaubt sie ...

Mehr sei hier nicht verraten, außer, dass es noch sehr spannend wird. In Finnland war Mantulas Roman ein großer Erfolg; wir deutschen Leser haben noch einen zusätzlichen Anreiz, das Buch zu lesen. Denn was die Finnen als realistische Schilderung des Lebens in Lappland registrieren, empfinden wir als faszinierenden Einblick in eine fremde Welt, wo man auf dem Motorschlitten in die Kneipe fährt, in Eislöchern badet und sich auf Skiern von Rentieren um die Wette ziehen lässt.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln