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Keine »kleinen« Schicksale im Großen Krieg

Zwei neue Publikationen legen Zeugnis ab von einer »verlorenen Generation« - Der Alltag von Kindern und Jugendlichen 1914 bis 1918

Viel zu wenig Aufmerksamkeit wurde im Jubiläumsjahr den Auswirkungen der Schrecken des Ersten Weltkriegs auf die Kinder geschenkt. »Denn die Kinder, die in jenen Jahren aufwuchsen, wurden lebenslang von ihm geprägt«, wie Sonya Winterberg zu Recht bemerkt. Dankenswerterweise erschienen hierzu nun zwei Publikationen.

Yury und Sonya Winterbergs haben Geschichten von Kindern und Jugendlichen verschiedener Nationen zusammengetragen. Diese verbinden sie mit der politischen, kulturellen und militärischen Geschichte und verschränken die Erlebnisse in unterschiedlichen Weltgegenden miteinander. Besonders intensiv werden die Auswirkungen der Kriegspropaganda auf die seelische Befindlichkeit von Kindern und Jugendlichen beleuchtet. Bei allen kriegführenden Nationen waren die Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung der »Humus für propagandistische Legenden«, die auch einst harmlose Spiele auf der Straße oder im Park immer brutaler werden ließen. Der Krieg durchdrang alle Sphären der Gesellschaft und drang auch in Kinderzimmer und Schule ein. In den Jahren 1914 bis 1918 wurde bereits eine Generation für den nächsten Krieg konditioniert.


Buch im nd-Shop bestellen:
* Yury und Sonya Winterberg: Kleine Hände im Großen Krieg. Kinderschicksale im Ersten Weltkrieg.
Aufbau. 368 S., geb., 22,99 €.

* Bernhard Schmidtbauer: Als ob die Welt an allen Ecken brannte. Ein Schicksal aus dem Ersten
Weltkrieg.
Neues Leben. 256 S., geb., 16,99 €.


Kinder registrieren aufmerksam, was sich in ihrer Umgebung tut. Der eher introvertierte Yves notiert in seinem Tagebuch die Leiden und Demütigungen während der Besetzung seiner Heimatstadt Sedan und Simone glaubt, Frankreich würde von Japanern überrannt. Wir erfahren, wie Alfred, Marlene, Anaïs oder Manès den Krieg erlebten - sie tragen große Nachnamen: Hitchcock, Dietrich, Nin, Sperber. Eine der dramatischsten Lebensläufe macht uns mit einem eher unbekannten Kriegsschauplatz bekannt: Die Kosakentochter Marina versucht, ihren Vater an der Front zu finden. Sie begleitet zaristische Truppen in die Kämpfe mit dem Osmanischen Reich und wird sukzessive zur Kindersoldatin, ein Schicksal, das sie mit zahlreichen Altersgenossen vieler Ländern teilt.

Bernhard Apelt war 18 Jahre, kein Kind mehr, aber auch noch kein Erwachsener, als er sich freiwillig an die Front meldete. Er wuchs in einer Gesellschaft auf, die ihm schon früh das »Soldatische« als erstrebenswerte Lebensform pries. Als die Materialschlachten das deutsche Offizierskorps ausdünnten, ging sein Traum in Erfüllung, wurde er zum Leutnant gekürt. Bevor sein Leben richtig begann, ist es schon wieder erloschen. Apelt überlebte den mörderischen Krieg nicht. Bernhard Schmidtbauer hat die Briefe seines Großonkels, die viel vom Alltag im Schützengraben und in den besetzten Gebieten erzählen, gesichtet, in einer aufschlussreichen Auswahl zusammengestellt und sensibel kommentiert. Ergänzt durch Fotos und Tagebucheintragungen sind sie ein weiteres erschütterndes Zeugnis der »verlorenen Generation«.

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