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Ewig ziehn Begier und Reue ...

Joachim Reiber erzählt über glückliche und unglückliche Liebschaften berühmter Komponisten

  • Von Walter Kaufmann
  • Lesedauer: 2 Min.

Die plötzlich aufflammende Liebe von Felix Mendelssohn Bartholdy zu der schwedischen Opernsängerin Jenny Lind ist in Joachim Reibers Buch auf kaum mehr als vierzig Seiten dargestellt, doch glaubt man einen Roman über einen glücklich verheirateten Komponisten gelesen zu haben, den es bei der Begegnung mit jener anderen jäh mitreißt. Und man begreift, dass er zur Krönung seines Schaffens »Die Loreley« wählen musste - eine Oper, die mit einem innerlich zerrissenem Mann beginnt, der in einem düsteren Felsental mit sich ringt: »Und ich muss mich selbst verdammen/ Um mein streitend Doppelglück/ Ewig ziehn Begier und Reue/ In den Strudel mich zurück …« Mendelssohn starb, ehe er das Werk vollenden konnte, und erst Wochen nach seinem Tod fand die fassungslos-traurige Jenny Lind folgende Worte im Brief an eine Freundin: »In seinem Grab liegt meine Musik - meine Poesie - meine Kunst - meine reinste Freude - meine verlorene Freude!«


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* Joachim Reiber: Duett zu Dritt. Komponisten im Beziehungsdreieck.
Kremayr & Scheriau. 271 S., geb., 22 €.


Eindringlich, wie Mendelssohns Liebeskonflikt gestaltet ist, sind auch die Konflikte der anderen acht Komponisten im Buch gestaltet - nie sind das nur Abhandlungen, sondern stets Romane en miniature, in denen viel über die Sehnsucht nach der seelig machenden Anderen zu erfahren ist, der allein Glückbringenden, der Unentbehrlichen, der Frau, die zu Sonaten, Symphonien, Opern anzuregen weiß. »Duett zu Dritt« erzählt, wie Richard Wagner das Dreieck als Konstante seines Werks brauchte, ohne die Tristan und Isolde nie entstanden wäre; wie Joseph Haydn seine Dreiecksbeziehung offen lebte und erst im Alter eine neue Bürgermoral offenbarte; wie Gustav Mahler durch die Affäre seiner Frau mit dem jungen Walter Gropius in eine existenzielle Krise stürzte, aus der ihn selbst die Kunst nicht zu befreien vermochte; und wie die Liebe des Johannes Brahms zu Clara Schumann an ihrer Treue zum kranken Robert Schumann scheiterte. Reiber versucht, Beethovens Brief an die unsterbliche Geliebte neu zu deuten und zu zeigen, wie erzwungene Distanz revolutionäres Musikschaffen hervorzubringen vermag. Zu all dem fügen sich die Liebesaffären dieser weltbekannten Komponisten zu höchst lesbaren, oft überraschenden Porträts - und das allein ist nicht wenig.

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