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Ist es vorbei?

Offene Arbeit im Wandel der Zeiten

  • Von Franziska Klein
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Titel ist Programm, war und ist das Motto der Offenen Arbeit des Evangelischen Kirchenkreises Erfurt damals und heute. Im Dezember 1991 haben die Aktivisten ihr erstes Buch veröffentlicht, mit der Unterzeile »Ich wollt’ die Hoffnung stürbe nie«. Zwei Jahre nach dem Aufbruch in der DDR wollten sie bilanzieren, was erreicht ist und was nicht. Das Buch berichtete über den Kampf im untergegangenen Staat für eine saubere Umwelt, gegen den allmächtigen Sicherheitsapparat und für eine gerechtere Gesellschaft.


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* Buchgruppe Offene Arbeit (Hg.): Alles verändert sich, wenn wir es verändern. Die Offene
Arbeit Erfurt im Wandel der Zeiten (1979 - 2014).
Verlag Graswurzel. 242 S., br., 16,90 €.


Das neue Bilanzbuch fragt mit über 20-jährigem Abstand unter anderem: Warum wurde die Forderung nach Auflösung aller Militärpakte, nicht nur des Warschauer Vertrages, nicht realisiert? Und ist eine solche Forderung angesichts der neuen Kriege nicht dringlicher denn je? Warum verschwand der Entwurf des Zentralen Runden Tisches für eine neue Verfassung mit plebiszitären Elementen, sozialen Menschenrechten und antimilitaristischer Ausrichtung in der Schublade?

»Wird gegenwärtig zu allen möglichen Festlichkeiten an die Jahre 1989 und 1990 erinnert, so meist aus der Sicht derjenigen, die zumindest zeitweilig zu Siegern der Geschichte wurden«, heißt es in der Einleitung. Dies ist gerade jüngst bestätigt worden. Die Herausgeber merken an, dass sich die Medien für die Offene Arbeit nur interessieren, wenn es um die Zeit vor 1989 geht; Positionen in aktuellen Auseinandersetzungen interessieren kaum. Gut, dass es nun dieses Buch gibt. Hier kann man nachlesen, wie und wo die Aktivisten von einst auch heute aktiv sind, verstärkt durch engagierten Nachwuchs - gegen Rassismus und Ausgrenzung, gegen Atomkraft und Umweltsünden, gegen Geheimdienste und Kriegsdienst.

Einleitend wird über den Beginn und die Entfaltung der Offenen Arbeit in der DDR berichtet. Es folgen Interviews mit Zeitzeugen, die zum bitteren Fazit gelangen, dass nach dem Mauerfall und insbesondere mit dem Ruf nach deutscher Einheit oppositionelle Stimmen erneut in der Minderheit waren. Propst Heino Falcke meint: »Die Probleme, die durch den deutschen Vereinigungsprozess verdrängt wurden, kommen jetzt mit voller Macht auf uns zu.« Er betont die Gerechtigkeitsproblematik. Chris Reich-wald will nicht mehr über das, was Friedliche Revolution genannt wird, sprechen: »Für mich ist das vorbei, aber wirklich so was von vorbei!« Carsten Nöthling beklagt, dass heute zehn Prozent der Deutschen 50 Prozent des Vermögens besitzen und eine Mobilisierung der Menschen wie zu Ende der DDR zwar vonnöten ist, aber »im Moment nicht wirklich zu gelingen« scheint. Angelika Schön hingegen nennt als ermunternde Beispiele dafür, »wie Wachheit und Mündigkeit wachsen« den Arabischen Frühling, Attac und Occupy.

Verändert hat sich noch nicht allzu viel. Aber, siehe oben: Es verändert sich nur soviel, wie wir verändern. Und dafür hat eine Gruppe Erfurter Aktivisten schon mal diskutiert, wie Offene Arbeit in 35 Jahren aussehen könnte.

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