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Sanktionen treffen EU-Finanzwelt

Deutsche Banken haben 18 Milliarden Dollar in Russland investiert

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 3 Min.
Die EU-Sanktionen gegen Russland im Finanzbereich treffen nicht nur Moskauer Geldgeber, sondern auch Banken in der Europäischen Union.

Die Deutschen wollen mehrheitlich keine schärferen Sanktionen gegen Moskau. Laut dem am Freitag im ARD-»Morgenmagazin« veröffentlichten »Deutschlandtrend« sind 19 Prozent dafür, die Strafmaßnahmen gegen Russland auszuweiten. 43 Prozent halten die derzeitigen Sanktionen der USA und der EU für angemessen. Rund ein Viertel (27 Prozent) plädiert für ihre Aufhebung.

Am brisantesten sind die Finanzsanktionen. Im August hatten EU und USA ihren Banken verboten, an russische Energieunternehmen und Staatsbanken Kredite mit einer Laufzeit von mehr als 30 Tagen zu vergeben. Unberührt davon bleibt das sibirische Erdgas, welches durch die Ostsee-Pipeline nach Deutschland fließt - bestehende Lieferverträge werden meist kurzfristig refinanziert. Doch neue Projekte könnten über die 30-Tage-Hürde stolpern.

Die Finanzsanktionen treffen jedoch auch die EU selber. »Sie schneidet sich wirtschaftlich ins eigene Fleisch«, kritisiert etwa Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank. Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich summieren sich die ausländischen Kredite an russische Geldinstitute auf 200 Milliarden US-Dollar. Umgekehrt dürften russische Konzerne einen dreistelligen Milliardenbetrag im Ausland angelegt haben. Den dicksten Brocken stemmen französische Institute. Auf sie allein entfällt mit fast 50 Milliarden US-Dollar ein Viertel der russischen Schulden. Deutsche Kreditinstitute haben etwa 18 Milliarden US-Dollar verliehen. Die Folge sind »entgangene Geschäftsmöglichkeiten und damit Verdienstausfälle«, erklärt Vasily Astrov vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche.

Die zukünftigen Verluste in Ost und West könnten sogar noch höher ausfallen. Die volle Wucht der Sanktionen werde sich daher erst im neuen Jahr abschätzen lassen, meinen die Experten aus Wien.

Auch Wladimir Putin warnt davor, dass die Folgen nicht nur die russische, sondern auch die europäische Bankenwelt treffen. Besonders die Ukraine werde unter den Sanktionen leiden. »Die russischen Banken haben der ukrainischen Wirtschaft bisher Kredite in Höhe von 25 Milliarden Dollar gewährt«, hatte Russlands Präsident kürzlich in der ARD gesagt. Bei einem Zusammenbruch russischer Banken würde auch die Ukraine »zusammenbrechen«. Putin warf den Regierungen des Westens vor, die internationalen Auswirkungen ihrer Finanzsanktionen zu unterschätzen.

Russland selbst kann die Folgen bislang verkraften, denn man sitzt auf einem ausreichenden Finanzpolster. Noch immer verfügt die Zentralbank über ausländische Währungen im Wert von über 400 Milliarden US-Dollar. Hinzu kommt, dass China bereit zu sein scheint, russischen Unternehmen und Banken mit Krediten auszuhelfen. Beobachter halten es sogar für möglich, dass US-Investoren in die Sanktionslücke springen, die EU- und US-Banken aufmachen.

»Es gibt aber auch Vorteile«, macht sich Putin Mut. »Es lebt sich bequem, wenn wir nur daran denken müssen, mehr Öl und Gas zu fördern.« Das sorgt für sprudelnde Einnahmequellen bei Geldhäusern wie VTB oder Rosselkhozbank. Aber eine Wende wird schwierig: Seit Februar hat die Notenbank den Leitzins in mehreren Schritten von 5,5 auf 9,5 Prozent erhöht, um der galoppierenden Inflation entgegenzuwirken. Dadurch verteuern sich aber Firmenkredite und Investitionen werden erschwert. Schlecht für die ohnehin schwache Konjunktur.

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