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Los Angeles als Vorbild

Ruder-Olympiasieger und Wirtschaftsprofessor Wolfgang Maennig fordert private Finanzierung von Olympia

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nd: Herr Professor, Sie sind derzeit im Dauereinsatz - ein Olympia-Forum jagt das nächste. Sowohl in Hamburg als auch Berlin ist Ihre Meinung gefragt. Was halten Sie von solchen Veranstaltungen?
Maennig: Ich bin da etwas gespalten. Natürlich bin ich gerne dabei, aber solche Foren können eine echte öffentliche Debatte nicht ersetzen. Es ist doch so, dass sich bei diesen Terminen Gleichgesinnte, quasi schon Überzeugte, treffen und sich gegenseitig ihre Pro-Olympia-Gesinnung versichern. Hinterher ist kein einziger Zweifler oder Kritiker gewonnen.

Skepsis gegenüber Olympia haben vor allem die in den vergangenen zwei Jahrzehnten explodierten Kosten erzeugt. Kann Berlin diese Spirale brechen?
Ich persönlich bin so begeistert von Olympia, dass es von mir aus noch mehr kosten könnte als die jetzt im Raum stehenden Summen. Aber es geht nicht darum, was ich, sondern was die Berliner denken! Denen muss ein Konzept vorliegen, von dem sie sich mitgenommen fühlen. Das einen Kostenrahmen hat, zu dem sie mit und trotz aller Hauptstadterfahrung Ja sagen können. Ich bin überzeugt, dass ein Olympia möglich ist, bei dem Bewerbung und auch die Spiele selbst kein öffentliches Geld kosten. Dafür bedarf es der Gewinnung von Berlin-verbundenen Sponsoren - ich denke z.B. an Gegenbauer, Schweitzer oder Samwer - und der Mobilisierung breit gefächerten ehrenamtlichen Engagements. Ich zum Beispiel wäre bereit, Gutachten honorarfrei zu erarbeiten.

Klingt ein wenig nach Wunschdenken …
Mir ist klar, dass als erste Reaktion vielfach kommen wird: Geht nicht! Ohne dies jetzt zum Ideal-Modell zu erklären, sei daran erinnert, dass Los Angeles 1984 und Atlanta 1996 komplett privat finanziert waren. Ich sage: Wir kriegen das hin! Stellen Sie sich mal vor, wir treten vor das IOC und sagen denen, die ja momentan reformbewegt sind: Wir machen neue, andere, bescheidenere und offene Spiele mit Augenmaß und ohne öffentliches Geld. Ich denke, eine deutsche Bewerbung mit Nullbelastung öffentlicher Haushalte könnte im Konzert der aktuellen Millionen-Kampagnen echten Enthusiasmus auslösen.

Das müsste doch auch die skeptischen Berliner überzeugen?
Das ist der eigentliche Knackpunkt der Bewerbung. Ohne Unterstützung der Mehrheit der Hauptstädter und der Deutschen generell kann man das Ganze gleich lassen. Olympia in Berlin aber, das muss ich kritisch feststellen, ist überhaupt noch kein Stadtthema. Wir müssen die Bevölkerung massiv hinter uns bringen und dafür erst einmal richtig ins Gespräch kommen. Kritiker, Zweifler, Unsichere aufs Podium holen, deren Meinung und Vorschläge hören, wie ihrer Ansicht nach Olympia aussehen sollte, damit sie Ja sagen. Das muss ganz oben auf der Agenda stehen. Dabei wird es meiner festen Überzeugung nach Ideen geben, die uns Olympia-»Betriebsblinden«, die sich seit vielen Jahren mit dem Thema professionell beschäftigen, so schnell nicht einfallen würden. Ich sehe das nicht als Hemmnis, sondern als enorme Bereicherung. Oder anders: Reibung erzeugt Wärme.

Sind Olympische Spiele ein Konjunkturprogramm für Wirtschaft und Stadtentwicklung?
Vor diesem viel zu linearen Glauben warne ich immer wieder. Barcelona 1992 wird stets als Beispiel dafür angeführt - damals ist über Staats- und EU-Fördergelder tatsächlich ein städtischer Neuaufbau umgesetzt worden. Einstweilen hat sich gezeigt, das dies eben kein Dauermodell ist. Große Einkommens- und Beschäftigungseffekte, ein kurzfristiger olympischer Konjunkturimpuls sind Illusion. Deshalb darf eine Bewerbung nicht zu viel versprechen und als Argument für schwer durchsetzbare Infrastrukturprogramme missbraucht werden, sondern muss transparent und ehrlich sein.

Warum also dann überhaupt Olympische Spiele in Berlin?
Weil Olympia gut ist für die Stimmung und den Bekanntheitsgrad der Stadt, weil das Selbstwertgefühl der Berliner befördert wird, Breiten- und Spitzensport profitieren. Und längerfristig auch alle anderen Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Olympia in Berlin, das wäre die Chance, Dinge anders zu machen als bisher und eine kreative Bewerbung vorzulegen, die sich von den stromlinienförmigen der letzten zwei Dekaden unterscheidet. Feelgood-Effekt, Stolz auf die eigene Stadt würden neben den anderen Faktoren zu einem Schub führen, der mehr wert ist als kurzfristig sprudelnde Einnahmen. Man sollte sich nicht bewerben im Glauben, viel Geld zu verdienen.

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