Werbung

Lieber Nudeln und Pizza

Viel Fleisch, zu wenig Gemüse, zu wenig Zeit - Studie zum Schulessen findet viele Defizite

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Bundesernährungsminister Christian Schmidt will mit Hilfe von Starkoch Tim Mälzer das Schulessen besser machen. Ob das ausreicht, ist fraglich.

Nach einer Studie des Bundesernährungsministeriums kommt in deutschen Schulen zu häufig Fleisch und zu selten Gemüse auf den Mittagstisch. In der am Dienstag in Berlin vorgestellten Untersuchung wurden Schulleitungen, Träger und die Kinder und Jugendlichen selbst befragt, zum ersten mal bundesweit und in diesem Umfang. »Das Schulessen sollte vielfältiger werden, überall ein Salatbuffet - das wäre toll, das finden auch die Schüler gut«, so Studienleiterin Ulrike Arens-Azevedo.

Der Hamburger Ernährungswissenschaftlerin zufolge gibt es noch einiges zu verbessern, auch wenn die Schulspeisung insgesamt auf einem guten Weg sei. Überraschungen brachte die Befragung der Kinder selbst. Arens-Azevedo meint damit etwa die Tatsache, dass die vier Lieblingsgerichte bei Mädchen und Jungen die gleichen sind: Nudeln, Pizza, Pfannkuchen und Pommes. Meistgehasst sind ebenso übereinstimmend Spinat, Suppe, Fisch und Kartoffeln.

Dieses Bild passt so gar nicht zu den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Die Studienleiterin fordert hier mehr Kreativität bei den Anbietern, die auch den Blick auf die nächsten Plätze der Hitliste werfen sollten: Dort folgen nicht nur Fleischgerichte, sondern bei den Mädchen auch der Salat.

Andererseits gibt Arens-Azevedo zu bedenken, was mit zubereiteten Mahlzeiten geschieht, wenn sie bis zu vier Stunden transportiert und dann auch in den Schulen noch einmal zwei Stunden in Thermo-Behältern stehen. Eine Wahl haben die Kinder meist nicht, in manchen Schulen müssen die Bestellungen bis zu sechs Monate vorher abgegeben werden, häufig wird nur ein Essen pro Schultag geliefert. Mit den festgestellten relativ kurzen Pausenzeiten von durchschnittlich 25 bis 30 Minuten haben die Kinder selbst kein Problem, aber zum Beispiel mit der Lautstärke in ihrer Mensa oder damit, dass sie zu lange anstehen müssen.

Auf den ausgewerteten Speiseplänen waren Saisonalität gar nicht, Regionalität nur äußerst selten zu finden. Gemüsebeilagen bestanden meist aus Erbsen, Möhren, Blumenkohl und Spinat. Dass die Anbieter aus Gesundheitsgründen Essen liefern sollen, das die Kinder dann ablehnen, lässt Sabine Schulze-Greve von der Berliner Vernetzungsstelle Schulverpflegung nicht gelten. Sie sieht hier eine Bildungsfrage. Auch Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU) macht bei der Beschäftigung mit dem Thema im Unterricht noch Defizite aus und kündigt für 2015 neue Initiativen mit dem Starkoch Tim Mälzer an. Aber auch Schulze-Greve fordert insbesondere bei den vegetarischen Angeboten mehr Professionalität seitens der Caterer. In Berlin überlege man, an einem Oberstufenzentrum ein spezielles Profil für Schulköche zu entwickeln.

Der LINKEN reichen die Initiativen der Bundesregierung jedoch nicht aus. »Der Bund hat gegenüber unseren Kindern eine soziale Fürsorgepflicht und ist für die gesundheitliche Vorsorge verantwortlich«, so die ernährungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Karin Binder.

Sehr unterschiedlich ist das Engagement seitens der Träger der Schulen wie auch der Eltern. Oft stehen die DGE-Standards nicht in den Verträgen oder sie werden nicht überprüft. Ulrike Arens-Azevedo hat beobachtet, dass die Eltern zwar in den Grundschulen noch recht aktiv seien, sich dann aber scheinbar immer weniger für das Mittagessen ihrer Kinder interessierten. Sie fordert, dass sich Mütter und Väter hier viel emotionaler und zur Not aggressiver für eine bessere Qualität des Schulessens einsetzen sollten.

Deutlich unter Durchschnitt liegen die östlichen Bundesländer bei der Umsetzung von Hygienekonzepten. Des Rätsels Lösung liegt in der traditionellen Verantwortung der Hausmeister für die Organisation der Mittagsmahlzeit - lange kümmerten sich Schulleitungen überhaupt nicht um das Thema, was sich jetzt ändert.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!