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Bürger wollen wenig verändern

Forum zum Görlitzer Bahndamm bringt kaum Ergebnisse - Netzwerk kündigt Konzept an

Spaziergänger und Jogger nutzen den alten Damm der Görlitzer Bahn, Kinder spielen dort, es gibt eine Drogenszene. Ein Bürgerforum wollte Ideen entwickeln, um die Grünanlage attraktiver zu gestalten.

Den Anstoß für das lockere Zusammentreffen am Montagabend im Rathaus Treptow gab die Polizei. »Bei uns beschweren sich immer mal wieder Anwohner über Drogendealer in diesem Gebiet, und es gibt Straftaten wie Raub und Körperverletzungen«, sagt Matthias Vogler Dienstgruppenleiter im Abschnitt 65. Der schmale Grünstreifen zwischen Elsen- und Lohmühlenstraße sei zwar aus Sicht der Polizei kein Brennpunkt, doch mit ein paar kleinen landschaftspflegerischen Maßnahmen ließe sich das Gelände sicher für Bewohner angenehmer gestalten. Und die Drogenhändler würden sich vielleicht zurückziehen.

Unter dem Motto »Gemeinsam den Görlitzer Bahndamm gestalten« luden deshalb das bezirkliche Straßen- und Grünflächenamt sowie die Sozialraumorientierte Planungskoordination (SPK) zum Bürgerforum ein. Gekommen waren rund 20 Interessierte: Anwohner, Vertreter von Fraktionen aus der Bezirksverordnetenversammlung und Mitarbeiter des Bezirksamtes. »Wir erleben es täglich, die Aufenthaltsqualität des einstigen Görlitzer Bahndamms, der als Grünanlage eine räumliche Verbindung zwischen dem Görlitzer Park und Alt-Treptow darstellt, hat nachgelassen«, erklärte Bastian Ignaszewski von der SPK. Er betonte, dass es zunächst darum geht, gemeinsam eine Analyse der Situation zu erarbeiten, danach Wünsche und Ideen für das Gelände vorzutragen und nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.

Und so wurden Zettel an eine Tafel gepinnt auf denen die Forumsteilnehmer Stichpunkte notierten. »Kaum Bänke«, »Wenig Spielmöglichkeiten«, »Unbehagen in der Dämmerung«, »Fehlende Beleuchtung« oder »Drogendealer«, war zu lesen.

Bei der Diskussion wurde deutlich: Anwohner haben im Dunklen Angst auf dem lang gestreckten Weg, empfinden die Drogenszene als nervstörend, doch alles in allem sind die Anwohner mit dem Grünzug zufrieden. »Der Park hat, wie er ist, seine Berechtigung«, erklärte Kerstin Schmidt, die seit 25 Jahren in der Nähe lebt. Und auch Sigrun Merkle findet: »Viele Spaziergänger schätzen gerade das Naturbelassene.« Einig ist man sich, dass Rückschnitte im großen Stil, wie gerade im Görlitzer Park geschehen, nicht wirklich die Drogenszene verdrängen.

»Wir planen keine Maßnahmen am Bahndamm, wir holzen auch nichts ab, wenn das die Bürger nicht wollen«, betonte Sabine Bönning vom Straßen- und Grünflächenamt. Prüfen will die Verwaltung aber auf Wunsch einiger Treptower, wie künftig mit dem Sperrmüll im Grünzug umgegangen wird und ob es möglich ist, wenigstens an einigen Stellen - beispielsweise die Treppe am Supermarkt an der Bouchéstraße - in den Winterdienst einzubeziehen. Für Beleuchtung, gepflegte Bepflanzung oder sogar den Kauf des Areals durch das Land Berlin, was der Bezirk in der Vergangenheit erwogen hatte, fehlt schlichtweg Geld, wie kürzlich Staatssekretär Christian Gaebler auf eine parlamentarische Anfrage mitgeteilt hatte.

Für Bastian Ignaszewski ist nun klar, dass es der Wunsch der Anwohner ist, wenig zu verändern. Dienstgruppenleiter Matthias Vogler verspricht: »Wir werfen weiterhin ein Auge auf das Gelände.«

Nach dem offiziellen Teil gründet dann doch noch eine Handvoll Anwohner ein Netzwerk. Sie wollen den Görlitzer Bahndamm begutachten, ein Konzept erarbeiten und damit an den Bezirk herantreten. Andrea Gerbode, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung, betont: »Es gibt dort seltene Tiere wie die Zauneidechse, um sie zu erhalten, sollten einige Stellen aufgewertet werden.«

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