Und das war auch gut so

MEINE SICHT

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 2 Min.

Am 10. Dezember will der Lesben- und Schulenverband zum Abschied des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) mit Regenbogenfahnen schwenken.

Das ist eine nette Geste und ein verdientes Lob nach 13 Jahren im Amt. Es wäre ungerecht, wenn »Wowi« nur als der Politiker in Erinnerung bleiben würde, der die Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens vergeigte. Schließlich hat er seinen Teil dazu beigetragen, dass Berlin bunter und toleranter geworden ist. Zwar kam sein berühmtes Outing mit dem Satz »Ich bin schwul und das ist auch gut so« nur der Offenbarung durch andere zuvor. Doch diese Aussage wurde in der Originalversion und in diversen Abwandlungen für lange Zeit Kult. Bekannt wie ein bunter Hund wurde Wowereit damit. Es hat ihm nicht geschadet. Im Gegenteil: Es hat ihm genutzt, aber das war auch gut so.

Offener machte er Berlin in vielerlei Hinsicht. Er ließ beispielsweise erst seinen rot-grünen Übergangssenat durch die PDS tolerieren, dann erwählte er die SED-Nachfolgepartei gar gegen erhebliche politische Widerstände zu seinem Koalitionspartner. Das wäre kurz zuvor in der alten Frontstadt des Kalten Krieges undenkbar gewesen.

Klaus Wowereit war nicht der erste und nicht der einzige schwule Politiker. Doch sein unverkrampfter Umgang mit seiner sexuellen Orientierung sorgte dafür, dass es zumindest in der Hauptstadt zunehmend uninteressant wurde, ob der Regierende Bürgermeister oder irgendjemand anders nun schwul ist oder nicht. Und auch das ist gut so.

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