Ruf aus Afrika

Mukoma wa Ngugi:

  • Von Manfred Loimeier
  • Lesedauer: 2 Min.

Krimis sind gewöhnlich nach dem Muster Blut, Gewalt, Sex und Geld gestrickt. Da klingt der Titel »Nairobi Heat« vielversprechend, zumal der Autor Mukoma wa Ngugi heißt und Sohn des kenianischen Nobelpreisanwärters Ngugi wa Thiong’o ist. Die Handlung dieses Krimis berührt weitgehend Ruanda und reicht bis zum dortigen Völkermord 1994 zurück.

Ishmael ist ein afroamerikanischer Polizist, der in Madison, USA, mit der Aufklärung eines Mordes an einem Mädchen beauftragt wird. Dessen Leiche lag vor dem Haus eines Professors aus Ruanda, den Ishmael laut Bauchgefühl sofort verdächtigt. Danach nimmt die Handlung Geschwindigkeit auf: Ein Anruf lockt Ishmael nach Nairobi, wo er mit einem kenianischen Kollegen zunächst etliche Gangster erschießt, dann mehrere Anschläge überlebt, undurchsichtigen Hinweisen nachgeht und schließlich mit einer schönen Poetin im Bett landet.

Wa Ngugi, der 1971 in den USA zur Welt kam, in Kenia aufwuchs und zum Studium zurück in die USA ging, wo er inzwischen als Literaturprofessor lehrt, lockt die Leser mit Stereotypen in eine Handlung, die dann überraschend kritisch verläuft. In Kenia erlebt Ishmael den Kommerz dubioser Entwicklungshilfeorganisationen, er fühlt sich aufgrund seiner Hautfarbe irgendwie als Afrikaner und spürt doch, dass er wegen seiner Herkunft aus den USA wie ein Weißer gesehen wird. Aber in seinem Kollegen findet Ishmael einen Freund, der mit ihm über unzählige weitere Leichen geht und ihn zuletzt zum Flug zurück in die USA und auf die richtige Spur bringt. Dann nehmen die Entwicklungen nochmals eine ungewöhnliche Wendung - und am Ende kehrt Ishmael, nachdem alles aufgeklärt und gerächt ist, nach Kenia zurück, weil er dort für sich eine neue Heimat gefunden zu haben glaubt.

»Nairobi Heat« ist flüssig geschrieben, und obwohl die Handlung mitunter ins Unübersichtliche ausufert, bleibt ein durchgehender Spannungsfaden erhalten, so dass die Mischung aus Thriller-Elementen und politischer Aufklärung funktioniert und eine passable, wenngleich keine unvergessliche Lektüre bietet.

Mukoma wa Ngugi: Nairobi Heat. Roman. Aus dem Amerikanischen von Rainer Nitsche. Transit Verlag. 176 S., geb., 19,80 €.

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung