Ästhetiker des Schreckens

Vor zweihundert Jahren starb Marquis de Sade

  • Von Gunnar Decker
  • Lesedauer: ca. 6.0 Min.

Starke Fürsprecher hat er schon immer gehabt - unter Künstlern. So erklärte ihn André Breton 1924 in seinem ersten Manifest des Surrealismus zum Ahnherrn. Der Dichter Guillaume Apollinaire schrieb bereits 1880 über den »göttlichen Marquis« die erstaunlichen Zeilen: »Der Marquis de Sade, dieser freieste Geist, der jemals existiert hat, hatte ganz besondere Ideen zu den Frauen; er wollte, dass sie so frei seien wie die Männer.«

Ist Marquis de Sade also zu Unrecht zum Namensgeber des Sadismus geworden? Oder ist Sadismus gerade das: Emanzipation des eigenen Willens, des eigenen Interesses, der eigenen Lust - jedoch auf Kosten eines anderen, bis hin zu dessen Zerstörung? Sieht sich hier das Prinzip »Selbstverwirklichung« bis zu der absurden Konsequenz getrieben, die eigene Lust nur in fremder Qual findet?

Erstaunlich, diese Wirkungsgeschichte des vor zweihundert Jahren gestorbenen Erzbuben der Perversion! Angesichts von Büchern wie »Die hun...


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