Ein Picasso unter den Brücken

Chemnitzer Bürger kämpfen gegen Pläne der Deutschen Bahn zum Abriss eines vor 100 Jahren errichteten Viadukts

  • Von Hendrik Lasch, Chemnitz
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

In Chemnitz rollen Züge über eine 275 Meter lange genietete Stahlbrücke. Die Deutsche Bahn will das historische Denkmal abreißen. Protest führt indes zum Nachdenken.

Der Bau war eine technische Meisterleistung und verlangte den Arbeitern alles ab - auch Zielsicherheit. Die Niete, mit denen ab 1901 in Chemnitz die Stahlteile einer 275 Meter langen Eisenbahnbrücke verbunden wurden, brachte man in Feuerkörben zum Glühen und warf sie dann in die Höhe, wo sie mit Zangen gefangen wurden. So entstand ein Meisterwerk der Ingenieurkunst, das sich seit über 100 Jahren in eleganten Bögen über den Chemnitzfluss spannt.

Geht es nach der Deutschen Bahn, sind die Tage des Industriedenkmals freilich gezählt. Ihre Tochter DB Netz erneuert die Sachsenmagistrale zwischen Dresden bzw. Leipzig und Hof. Rund zwei Milliarden Euro werden investiert, um auf der Bummeltrasse höheres Tempo zu ermöglichen und die Fahrzeit aus Sachsens Landeshauptstadt nach Franken um 50 Minuten auf 2:34 Stunden zu verkürzen. Zu den 405 Brücken, die ertüchtigt werden, gehört auch das Chemnitzer Viadukt.

Der Abriss ist lange geplant; schon 2003 ...


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