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Afroamerikaner erwürgt - Polizist entgeht Anklage

Proteste gegen Jury-Entscheidung in New York / Bürgerrechtler kündigt nationalen Protestmarsch in Washington an / Justizminister Holder leitete unabhängige Ermittlungen auf Bundesebene ein

New York. Aus Wut über eine erneut ausgebliebene Anklage im Fall eines mutmaßlich durch Polizeigewalt getöteten Schwarzen sind in New York Hunderte auf die Straßen gegangen. Sie protestierten am Mittwochabend gegen die Entscheidung einer Geschworenenjury, dass ein weißer Polizist, der den Unbewaffneten im Sommer heftig gewürgt haben soll, sich nicht wegen des anschließenden Todes des 43-Jährigen vor Gericht verantworten muss.

Der Bezirksstaatsanwalt von Staten Island, Daniel Donovan, sagte, die sogenannte Grand Jury habe keinen zureichenden Grund gefunden, um sich für eine Anklage des Polizisten auszusprechen. Er wolle sich dafür einsetzen, dass die Einzelheiten der Jury-Prüfung öffentlich gemacht würden.

Dabei war in einem Video des Vorfalls aus dem Juli soll Medienberichten zufolge zu hören, wie der im Schwitzkasten des Polizisten zu Boden gerissene 43-Jährige sagte, er bekomme keine Luft mehr. Der sechsfache Vater, der an Asthma erkrankt war, verstarb wenig später. Die Beamten hatten den Afroamerikaner gestoppt, weil sie vermuteten, er verkaufe illegal Zigaretten.

Demonstranten skandierten: »Keine Gerechtigkeit, kein Frieden«. Am Bahnhof Grand Central Station und an der Straße Columbus Circle legten sich Demonstranten aus Protest auf die Straße, berichtete die »New York Daily News« in ihrer Onlineausgabe. Es kam zu Verkehrsbehinderungen.

Vor dem Gebäude des Bezirksstaatsanwalts versammelten sich Demonstranten, um gegen die Entscheidung zu protestieren. Andere marschierten auch durch Straßen in Manhattan. Einige von ihnen hielten Schilder in die Höhe, auf denen stand: »Ich kriege keine Luft«.

Der schwarze Bürgerrechtler Al Sharpton sprach von einer »landesweiten Krise« und kündigte für den 13. Dezember einen nationalen Protestmarsch in der Hauptstadt Washington an.

Die Entscheidung der Jury folgte weniger als zwei Wochen nach einem ähnlichen Fall in der Stadt Ferguson im Bundesstaat Missouri. Dort blieb der weiße Polizist, der den schwarzen unbewaffneten Jugendlichen Michael Brown erschossen hatte, vorerst straffrei. Dies hatte in dem Vorort der Stadt St. Louis schwere Unruhen ausgelöst, auch in anderen US-Städten kam es seither mehrfach zu Protesten gegen Rassendiskriminierung und Polizeigewalt.

Der Polizist bedauerte den Vorfall. Es sei nicht seine Absicht gewesen, jemandem wehzutun, hieß es in einer Mitteilung nach Angaben der Zeitung »USA Today«.

New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio rief die Bürger der Stadt zu Besonnenheit auf - auch wenn er verstehen könne, dass es ein »höchst emotionaler Tag« gewesen sei. Er fügte an, er arbeite mit der Polizei an langfristigen Reformen, damit den New Yorkern »Tragödien wie diese« in Zukunft erspart blieben.

US-Präsident Barack Obama sagte, man arbeite daran, das Vertrauen zwischen Bürgern und der Polizei zu stärken. »Es ist Zeit, größere Fortschritte zu machen, als bisher. Ich bin nicht an Worten interessiert, ich bin an Taten interessiert.«

Für den Polizisten kann es noch ein juristisches Nachspiel geben. Der Vorfall wird - wie der in Ferguson - auf Bundesebene weiter untersucht. US-Justizminister Eric Holder leitete unabhängige Ermittlungen auf Bundesebene ein. Er nannten den Tod des 43-Jährigen »tragisch«. Auch Holder rief die Demonstranten auf, friedlich zu bleiben. dpa/nd

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