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Freundlich, aber schlecht beraten

Befragung zu den Medizinischen Diensten der Krankenkassen offenbart Defizite

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Pflegebedürftige bewerten ihre eigene Begutachtung meist positiv - dieses Ergebnis einer Versichertenbefragung wurde gestern in Berlin vorgestellt. Es wirft einige Fragen auf.

Die Medizinischen Dienste der Krankenkassen (MDK) begutachten pro Jahr 1,4 Millionen Menschen, bei denen der Grad ihrer Pflegebedürftigkeit festgestellt werden soll. Für die Betroffenen ist das Prozedere alternativlos, wenn sie Leistungen der gesetzlichen Pflegekassen in Anspruch nehmen wollen. Jetzt liegen die Ergebnisse einer Befragung vor, die bis Oktober zum Prozess der Begutachtung bei einer Stichprobe der Versicherten durchgeführt wurde. Danach sind 86 Prozent der Befragten mit der Arbeit der Gutachter zufrieden. Durchgehend mindestens gute Noten erhielten die 15 MDK bundesweit auch in Teilfragen. Von den angeschriebenen 36 501 Personen wurden in 13 016 Fällen die Fragebögen zurückgesandt.

Schon im Sommer, als bereits ein Teil der Ergebnisse mit gleicher Tendenz vorgestellt worden war, hatte es Kritik daran gegeben, dass der Gesetzgeber diese Form der Leistungsbewertung quasi in die Hände der Leistungserbringer selbst gelegt habe. Das wies Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (MDS) - der MDS koordiniert die Arbeit der regionalen medizinischen Dienste - zurück. Das private Marktforschungsunternehmen M+M aus Kassel habe die Versichertenbefragung vorgenommen. Diese ist mit dem Pflegeneuausrichtungsgesetz von 2012 verbindlich festgelegt worden und begann im Januar 2014.

Trotz der guten Umfrageergebnisse werden auch Probleme in der Begutachtung erkennbar. Darauf wies M+M-Gesellschafter Armin Töpfer hin. So sind die Kriterien, mit denen die meisten Befragten am zufriedensten sind, eher formal. An der Spitze steht das Eintreffen des Gutachters im angekündigten Zeitraum, gefolgt von seiner angemessenen Vorstellung und der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der MDK-Ansprechpartner. Am wichtigsten waren den Befragten allerdings andere Punkte: Das Eingehen auf die individuelle Pflegesituation lag hier an erster Stelle, in der Zufriedenheitsliste mit acht Plätzen taucht dieses Thema aber gar nicht auf. Am zweitwichtigsten war 96 Prozent der Befragten die Kompetenz des Gutachters, und immerhin 90 Prozent waren damit auch sehr zufrieden.

Handlungsbedarf sieht Peter Pick bei verschiedenen Themen: Neben der besseren Berücksichtigung der individuellen Situation geht es auch um mehr Zeit sowie um eine bessere Beratung. Zum einen wird die geplante Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs ab 2017 Veränderungen bei der Begutachtung ermöglichen - statt der jetzt möglichen drei Pflegestufen gibt es dann fünf Pflegegrade. Bis dahin müssen die Gutachter Verbesserungen weiterhin vor allem durch interne Schulungen und Qualitätsmanagement erreichen. Das würde schon getan, so Pick, und auch fortgeführt.

25 Prozent der Befragten äußerten ihre Wünsche nach guter Beratung und Hinweisen zur Verbesserung der Pflegesituation. Dem aber können die Gutachter nur in Ansätzen entsprechen, sie können nur vereinzelt Hinweise geben. Die Befragung lässt deutlich erkennen, dass es hier Defizite gibt und Angebote wie die Pflegestützpunkte offensichtlich nicht ausreichen.

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