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Im Fegefeuer der Einsamkeiten

Vier Stunden »Karamasow«: In den Sophiensaelen ist ein grandioser Dostojewski-Abend zu erleben

  • Von Christian Baron
  • Lesedauer: ca. 4.0 Min.

Sanft, ganz sanft, geht sie vor. Mit bedächtiger, fast träger Gemächlichkeit wickelt die junge Frau dem Mann ihrer jugendlich-feuchten Träume einen dicken Verband um jenen schrecklich schmerzenden Zeigefinger, den ihm der neunjährige Iljuscha Snegirjow kurz vorher in einer genüsslich in die Länge gezogenen Splatterszene blutig gebissen hat. Lisa Chochlakowa wickelt sich buchstäblich um seinen Finger, und sie verarztet den Priestermönch mit ihrem einnehmenden Wesen dabei bedächtig und zugleich beängstigend. Denn aus ihrem starr und steril stierenden Blick verliert sie in keiner Sekunde jene Augen des Aljoscha Karamasow, dessen ebenso bedripst wie zerstreut zusammengekniffener Ausdruck verrät, wes Geistes Kind die Dame zu sein scheint.

Als sie dann auch noch beginnt, im Rollstuhl sitzend seine Lendengegend mit mehr unbeholfenen denn heißen Küssen zu bedecken, meint man die Gedanken des sich sichtlich unwohler fühlenden Frommen h...


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