Neustart auf Sylt

Sechs Bewerber - darunter Gabriele Pauli - wollen Inselbürgermeister werden

Am Sonntag wählt die Gemeinde Sylt einen neuen Bürgermeister - oder trifft zumindest eine Vorauswahl, denn auch eine Stichwahl im Januar ist möglich. Fünf Herren und eine bekannte Dame treten an.

Sylt. Selten hat eine Wahl in einer 13 000-Seelen-Gemeinde so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie die Sylter Bürgermeisterwahl am 14. Dezember. Selten bewerben sich auch gleich sechs Kandidaten auf das höchste politische Amt in einem kleinen Ort. Der Mythos Sylt macht's möglich. Aber auch der Name Gabriele Pauli hat für Wirbel gesorgt.

Die einstige »CSU-Rebellin« Pauli hat mit ihrer Kandidatur das Interesse der Medien auf sich gezogen, auch wenn sie keine Verbindung zu Sylt hat. Allerdings kam auch die bisherige Amtsinhaberin nicht aus dem Norden. Neben Pauli sind auch die unabhängigen Bewerber Robert Wagner aus Aachen und Markus Ballentin aus Köln keine Insulaner. Beide betonen aber ihre häufigen Besuche auf Sylt in den vergangenen Jahren. Ein Sylter im Exil - so sieht sich der von der Sylter Wählergemeinschaft aufgestellte Nikolas Häckel, der derzeit als Bauamtsleiter in Kronshagen bei Kiel tätig ist. Rechtsfachwirt Bernd Reinartz, der Kandidat der CDU, lebt seit gut 20 Jahren auf der Insel. Der unabhängige Kandidat Lars Schmidt ist als gebürtiger Sylter der Heimat treu geblieben.

Aus Bayern nach Sylt - für Pauli scheint dies der einzige Weg, um noch einmal politisch Fuß zu fassen. Nach der Landtagswahl 2013 hatte sie ihr Mandat verloren und musste damit auch ihre politische Karriere in Bayern beenden.

Paulis Bekanntheit rührt aus dem Jahr 2006. Damals war sie noch Landrätin für die CSU im fränkischen Fürth. Den Posten hatte sie 1990 als Außenseiterin gewonnen und danach 18 Jahre gehalten. 2006 kritisierte sie offen Edmund Stoiber und beschleunigte die politische Erosion des damaligen CSU-Chefs. Nach Stoibers Abtritt wollte Pauli in der CSU durchstarten, doch die neue Führung ließ sie abblitzen.

Auf die Ablehnung reagierte Pauli mit immer größeren Provokationen. So forderte sie, die Dauer von Ehen auf sieben Jahre zu begrenzen. In der CSU, die gerade mit der Forderung nach einer Deutschpflicht für Ausländer auch in den eigenen Familien selbst einen wirren Vorschlag machte, erklärte man Pauli damals zum Fall für den Psychiater. Nach dem Bruch wechselte sie zu den Freien Wählern und zog 2008 mit einem glänzenden Ergebnis in den Landtag ein. Doch die Zusammenarbeit endete im Streit, Pauli fristete den größten Teil ihrer fünfjährigen Abgeordnetenzeit als fraktionslose Abgeordnete auf der Hinterbank. Um ihre Liebe zu Sylt zu demonstrieren, schreibt Pauli im Internet: »Sylt ist eine wunderbare Insel«. Eher platte Slogans findet man dort auch von anderen Kandidaten: »Ein Sylter für Sylt«, so sieht sich Häckel. Und »Liebe deine Insel« ist Ballentins Slogan. Agenturen/nd

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