SAS will billiger fliegen mit Cimber

Gewerkschaft erwartet Einhaltung der Tarifverträge

  • Von Andreas Knudsen
  • Lesedauer: 3 Min.

Die skandinavische Fluggesellschaft SAS ist an Krisen und Sparpläne gewöhnt, und keiner ihrer Besitzer, hauptsächlich die drei Länder in Form ihrer Verkehrsministerien, kann sich daran erinnern, dass sie Gewinn eingefahren hat in den letzten Jahren. Selbst am Überleben der SAS als selbstständiges Unternehmen wird in den skandinavischen Medien immer wieder gezweifelt. So kam es als Überraschung, dass SAS die Reste der in den Konkurs gegangenen Cimber übernahm, der SAS im Übrigen durch die Kündigung eines Kooperationsvertrages den Todesstoß gegeben hatte.

Der Vorteil des Kaufes liegt für SAS weniger in der Übernahme des Routennetzes, sondern in den Perspektiven auf dem Personalgebiet, die sich aus Cimbers Routenlizenzen ergeben. Die SAS-Konzernleitung, die 2013 trotz Verlusten eine erkleckliche Bonuszahlung bekam, betont bereits seit Jahren, dass insbesondere die Personalkosten und die mangelnde Arbeitszeitflexibilität es dem Konzern unmöglich machten, erfolgreich mit den Billigfluggesellschaften zu konkurrieren. Bei den Sparrunden der letzten Jahre mussten so immer wieder die Piloten und das Kabinenpersonal herhalten, um durch Lohnverzicht die Budgets in die Balance zu bringen.

Mit dem Cimber-Kauf eröffnet sich die Möglichkeit, eine neue Tochtergesellschaft mit radikal anderen Tarifbedingungen zu etablieren. Die Pressesprecherin von SAS, Trine Kromann-Mikkelsen, erklärte dazu, dass »… wir gezwungen sind, uns der harten internationalen Wettbewerbssituation zu stellen. Hier muss es viele Anpassungen geben im Konzern und die Beschäftigungsbedingungen sind eine Möglichkeit dafür«. In den dänischen Medien werden deshalb Modelle erwogen, wie SAS durch die Cimber-Lizenzen die Möglichkeit nutzen will, eine Billigfluggesellschaft zu etablieren. Diese könnte insbesondere innerskandinavische Flüge zum kleinen Preis anbieten, mit der SAS gleichzeitig aber auch Passagiere zu den Knotenpunkten Stockholm und Kopenhagen und deren internationale Verbindungen transportieren.

Die betroffenen Gewerkschaften sind gegenwärtig äußerst vorsichtig, sich öffentlich zu äußern. CAU, die das Kabinenpersonal von SAS organisiert, erklärte jedoch, dass man erwarte, dass der Tarifvertrag des Mutterkonzerns auch bei den Töchtern gelten wird. Juristisch hat SAS jedoch alle Möglichkeiten der Kündigung und Neuverhandlung von derzeit bestehenden Tarifverträgen. Mit den Cimber-Piloten wird bereits verhandelt. Sie drückten in den Medien Verständnis für SAS’ Sparzwänge aus, sie wären jedoch nicht über die Pilotenlöhne durchsetzbar.

Kurz vor Weihnachten wird SAS seine Bilanzen vorlegen. In diesem Zusammenhang wurden bereits Einsparungen von rund 150 Millionen Euro angekündigt. Arbeitsplätze werden erneut auf dem Spiel stehen und SAS kann durchaus Finnair, einen anderen skandinavischen Konkurrenten, als Vorbild wählen. Auf seinen überseeischen Routen setzt Finnair seit längerem asiatische Stewardessen ein, die zu Bedingungen des Heimatlandes arbeiten. Insbesondere den dänischen, möglicherweise aber auch den schwedischen und norwegischen Gewerkschaften stehen schwierige Verhandlungen bevor, um ihren Mitgliedern nicht nur weiterhin Arbeit zu sichern, sondern auch solche zu Bedingungen, die ein Einkommen entsprechend den skandinavischen Lebensbedingungen ermöglichen.

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