Von Feuerrüpeln, Pflaumentoffeln und Waisenkindern

Auf dem Dresdner Striezelmarkt kann man viele Seltsamkeiten erleben - Dörrobst spielt dabei eine besondere Rolle

  • Von Steffi Schweizer
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

Der Dresdner Striezelmarkt blickt auf eine 580-jährige Geschichte zurück. Zu den Attraktionen gehört nicht nur der berühmte Stollen, sondern auch die Pflaumentoffel. Nur waren die fast vergessen.

Es ist kalt, die letzten vier Pflaumentoffel stehen auf dem Tisch. Das Mädchen hat die Hände im Muff und lehnt müde an der Schulter des Bruders. Auf einem Schild steht »Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe«. Der Anblick macht traurig. Doch Jörn Richter strahlt: »Das ist sooo anrührend!« Er hält die Zeichnung seines berühmten Namensvetters Ludwig Richter aus dem Jahr 1853 hoch und sagt: »Der Pflaumentoffel ist die Traditionsfigur des Dresdner Striezelmarktes.«

Die aus Backpflaumen zusammengesteckten Figuren mit Zylinder und Leiter erinnern an die sieben-, achtjährigen Waisenjungen, die einst in Essen und Schlote kletterten und diese von innen reinigten. Die schmächtigen Jungen waren bekannt für ihre rußgeschwärzten Gesichter und typischen Kapuzenumhänge. Im Winter verkauften sie auf dem Weihnachtsmarkt - dem Striezelmarkt - selbst gebastelte Männlein aus Dörrobst. Man nannte sie Striezelkinder.

»Da es wenig Zucker gab, waren die süßen Troc...


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