Der Ritt des halben Mondes

Die Schriftstellerin Friederike Mayröcker wird 90 Jahre alt

  • Von Hans-Dieter Schütt
  • Lesedauer: ca. 5.5 Min.

Aus der Trivialität der Existenz können wir nicht durch Türen entkommen, sondern einzig über Dächer. Über das Höhere, das Luftige - wo Flug so möglich ist wie freilich auch Absturz. Über Dächer von Burgen, die wir in uns selber errichten. Auch Friederike Mayröcker sitzt in der so ganz besonderen Burg ihrer Wahrnehmungen - und wer ihre Bücher liest, erfährt eine konsequente Wahrheit: Das Leben zu beobachten ist zu aufregend, um die Zeit damit zu verlieren, es zu leben. »Ich lebe ich schreibe« hat die Wienerin einmal formuliert, und der Reichtum des Satzes besteht in dem, was ihm fehlt: das Komma. Keine Trennung zwischen Wort und Welt, zwischen Not und Notat. Die Schreibmaschine als Herz-Lungen-Maschine - immer kryptischer, untergründiger, verschlossener sind ihre Notizen, Tagnachtbücher dabei geworden; die Dichterin bittet die Sprache um einen Ausdruck für das Gemäße: Sprachlosigkeit am Rande des so lebendig agierenden Todes, der Betrie...


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