US-Präsident zur Parade nach Delhi

Unter der Losung »Indien zuerst« zeigt sich Regierungschef Modi als energischer Diplomat

  • Von Hilmar König, Delhi
  • Lesedauer: 3 Min.
Indiens Regierungschef Narendra Modi hat auf internationaler Bühne Aufsehen ausgelöst. Indien vertieft nicht nur seine Beziehungen zu den USA, sondern knüpft auch Bande nach Asien und Russland.

Wenn der amerikanische Präsident Barack Obama am 26. Januar 2015 als Ehrengast zum 65. Jahrestag der Republik Indien der Festparade in Neu-Delhi beiwohnt, markiert das den bisherigen Höhepunkt nicht nur in den indo-amerikanischen Beziehungen, sondern auch des modifizierten außenpolitischen Kurses der Modi-Regierung. Obama ist der erste US-Präsident, der Augenzeuge dieses militärisch geprägten Spektakels sein wird. Und er ist der erste Präsident, der in seiner Amtszeit zweimal Delhi besucht.

Der indische Regierungschef, rund eine Dekade lang wegen der Massaker in Gujarat im Jahre 2002 von Washington mit einem Einreiseverbot belegt, sprang über seinen Schatten, als er im September 2014 in New York und Washington mit Präsident Obama zusammentraf und ein neues Kapitel im bilateralen Verhältnis aufschlug. Dass Obama die Einladung zum Tag der Republik annahm, demonstriert das überzeugend.

Die strategische Partnerschaft wird deutlich vertieft. Die USA werden ihre Position als Indiens Rüstungslieferant Nr. 1 ausbauen. Schon jetzt führt das Pentagon mit Indien mehr Militärmanöver durch als mit irgendeinem anderen Land. Und Modi hat den amerikanischen Investoren und Geschäftsleuten den roten Teppich ausgelegt.

Die größte politische Überraschung in Indien im Jahre 2014 war, dass sich der Premierminister als geschickter und energischer Diplomat auf der internationalen Bühne entpuppte. Gemäß seinem Motto »Indien zuerst« will er dem Land zu einer Position verhelfen, die seinen Status als aufstrebende Wirtschaftsmacht, in der Raumfahrt sowie im militärischen Bereich angemessen reflektiert.

Vor seinem Amtsantritt im Mai war Modi mehr als zehn Jahre lang Chefminister des Bundesstaates Gujarat, ohne Erfahrungen in der Außenpolitik. Deshalb hatte man nicht erwartet, dass er sich gerade in diesem Bereich derart engagieren würde. Doch es folgte ein wahres Trommelfeuer an Auslandsreisen und Einladungen an ausländische Staats- und Regierungschefs.

Modi rief zu seiner Amtseinführung im Mai alle Spitzenpolitiker der südasiatischen Nachbarstaaten herbei, auch den pakistanischen Premier Nawaz Sharif. Er reiste nach Bhutan, Nepal, Japan, das ihm 28,7 Milliarden Euro an Investitionen offerierte, zum Gipfel der BRICS-Staaten nach Brasilien, zur Vollversammlung der Vereinten Nationen (UNO) sowie zum G-20-Treffen in Brisbane und zum ASEAN- und Ostasiengipfel. Er empfing den australischen Premier, den chinesischen Präsidenten, der 20 Milliarden Dollar für Infrastrukturprojekte in Aussicht stellte, und er verhandelte mit dem russischen Präsidenten.

Während der Trend zu den USA unverkennbar ist, bemüht sich Neu-Delhi zugleich um die Durchsetzung nationaler Interessen und um Spielraum für die Außenpolitik. Modi will Indien konkurrenzfähiger, gewichtiger und selbstbewusster in der Weltarena machen.

Ein besonderes Kapitel ist und bleibt das tief gestörte Verhältnis mit Pakistan. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass es unter Modi in absehbarer Zeit zu einem Durchbruch zu gutnachbarschaftlichen Beziehungen kommen kann. Ein besonderes Verhältnis besteht auch zu Israel, das ein Hauptwaffenlieferant für Indien geworden ist. Dennoch hielt die neue Regierung an der traditionellen Solidarität mit den Palästinensern fest. Aber hier, so ein Bericht der Zeitung »The Hindu«, zeichne sich eine »tektonische Veränderung« ab. Neu-Delhi erwäge, sein Abstimmungsverhalten in der UNO, das bisher pro Palästina war, durch Stimmenthaltung zu ersetzen. Es bedürfe dazu nur noch eines »administrativen Abnickens«.

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