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»Ich will mich durchsetzen«

Joshua Kimmich äußert sich erstmals nach seinem angekündigten Wechsel zum FC Bayern

  • Von Ullrich Kroemer, Leipzig
  • Lesedauer: 3 Min.
Mehr als acht Millionen Euro ist Joshua Kimmich dem FC Bayern München wert. Der 19-Jährige vom RB Leipzig wechselt trotz großer Konkurrenz mit viel Selbstvertrauen an die Isar.

Joshua Kimmich ist der letzte auf dem Trainingsplatz am Leipziger Cottaweg. Der 19-jährige Jungstar von RB Leipzig muss zum Trainingsauftakt eine ungewohnte Extraschicht schieben: Mit vor Kälte blauen Lippen spricht der Mittelfeldspieler vor einer Traube von Reportern zum ersten Mal über seinen überraschenden Wechsel zum FC Bayern München.

Kimmich antwortet kurz und kühl, sichtlich bemüht, sowohl den künftigen als auch seinen aktuellen Arbeitgeber nicht zu brüskieren. Erst zum Ende des fünfminütigen Gesprächs ist zu spüren, dass Kimmich neben seinem spielerischen Talent auch die Ellenbogen haben könnte, um beim Rekordmeister zu bestehen. »Man muss das Selbstbewusstsein haben, dass man sich dort durchsetzt«, sagt Kimmich. »Dieses Selbstvertrauen habe ich, deshalb gehe ich dorthin.« Über Details der Vertragsverhandlungen, etwa, dass sich Pep Guardiola und Matthias Sammer wohl persönlich um ihn bemüht und ihn nach München eingeladen hatten, will »Jo« nichts verraten. Er habe das Vertrauen der Bayern-Bosse gespürt, sagt er nur. »Sonst hätte ich den Schritt nicht gemacht.«

Die Neujahrsüberraschung, dass der FC Bayern für Kimmich wohl sieben Millionen Euro an den VfB Stuttgart und 1,5 Millionen an RB Leipzig überweist, war aus heiterem Himmel gekommen. Dass der schwerreiche Red-Bull-Klub den nächsten interessanten Spieler ziehen lassen musste, erstaunte. Zwar war wegen einer Rückkaufoption ohnehin damit zu rechnen, dass Kimmich zum Saisonende nach zwei Jahren in Leipzig zu seinem Heimatklub VfB Stuttgart zurückkehrt. Doch da RB-Sportdirektor Ralf Rangnick und Präsident Oliver Mintzlaff beste Kontakte zu Kimmichs Spielervermittler Uli Ferber haben, erschien auch ein Verbleib des U19-Europameisters von 2014 möglich. Ferber erklärte nun zwar: »Joshua weiß, was er Ralf Rangnick und Trainer Alexander Zorniger zu verdanken hat.« Aufgrund der Vertragskonstellation sei es für RB Leipzig aber so gut wie unmöglich gewesen, den Hochveranlagten zu halten. Seit etwa drei Monaten hatte sich der Wechsel angebahnt. »Das war keine Entscheidung gegen den VfB Stuttgart oder RB Leipzig, sondern für den FC Bayern«, sagte Ferber.

Bereits als Kimmich 14 Jahre alt war, hatte sich Ferber an dessen Eltern gewandt, um das Talent aus Rottweil in Schwaben auf dem Weg in den Profifußball zu begleiten. Bereits damals sei Kimmichs Können außergewöhnlich gewesen, doch der Nachwuchsspieler war noch zu schmächtig, um eine Karriere in der Bundesliga vorhersagen zu können. Im ersten Jahr in der Stuttgarter A-Jugend startete Kimmich dann richtig durch. In der zweiten Mannschaft des VfB war dennoch kein Platz für ihn frei.

Deshalb strengte Ferber 2013 den Wechsel nach Leipzig an, wo mit Rangnick, Zorniger & Co. alte schwäbische Bekannte das Zepter schwingen. »Ausschlaggebend für Jos Entwicklung vom Nachwuchs- zum Seniorenspieler war der Wechsel zu RB Leipzig. Dort hat er von Anfang an Vertrauen und Einsatzzeiten bekommen«, sagte Ferber. »Jo brauchte vor eineinhalb Jahren eine Plattform, um sich zu zeigen und regelmäßig zu spielen, alles andere hätte seine Entwicklung gehemmt.« Kimmich nutzte seine Chance beim Brauseklub. Gutes Stellungsspiel, hohe Passsicherheit und -qualität sowie intelligente Spieleröffnungen machten ihn nun für den FC Bayern interessant.

Doch kann sich einer wie Kimmich auch in München durchsetzen? Rangnick glaubt, dass Kimmich bereits in der kommenden Saison zu Einsatzzeiten beim FCB kommen könnte. Sein derzeitiger Trainer Alexander Zorniger sieht das pessimistischer: »Ich bin sicherlich ein noch größerer Fan von Jo als Matthias Sammer oder Pep Guardiola. Aber er muss auf diesem Niveau erst einmal zeigen, dass er mithalten kann.«

Angesichts des Überangebots, das die Bayern in der Schaltstelle zwischen Abwehr und Angriff haben, stehen die Chancen schlecht, dass Guardiola bereits im Sommer auf Kimmich setzen wird. Daher gilt es als wahrscheinlich, dass er nochmals ausgeliehen wird. Interessenten gäbe es genug - vielleicht auch RB Leipzig.

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