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Widerstand gegen Pegida wächst

Islamfeinde ließen sich in einigen Städten nicht blicken

»Flüchtlinge sind willkommen« lautete die Überschrift der Anti-Pegida-Demo in Stuttgart am Montagabend, zu der mehr als 8000 Menschen auf den Schlossplatz kamen. Organisiert hatten die Demo die »Anstifter«, ein Stuttgarter Verein, der interkulturelle Initiativen und Friedensarbeit fördert. Anlass war das Gerücht, Stugida (oder Stupida, wie Gegner die Gruppe gerne nennen) wolle erstmals in der baden-württembergischen Landeshauptstadt auf die Straße gehen. Das ist zwar nicht geschehen, dennoch hielt man an den Demo-Plänen fest.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) war »froh und stolz«, so viele Demonstranten gegen Rassismus zu sehen. »Flüchtlinge sind in Stuttgart willkommen«, sagte er unter lautem Applaus. »Alle, die hier leben, sind Stuttgarter.« Mit Blick auf die drei AfD-Stadträte im Stuttgarter Gemeinderat erklärte er: »Wer die Pegida-Bewegung gut heißt, instrumentalisiert Flüchtlinge und macht sich zum Handlanger von Rechtsradikalen.«

Außer Kuhn sprachen der Leiter der Dance Company am Theaterhaus Stuttgart, Eric Gauthier, der Pastor Eberhard Schwarz und GEW-Landeschefin Doro Moritz. Alle waren sich einig, dass die teils wirren Äußerungen der Dresdner Organisatoren der Bewegung, die sich »Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes« nennt, Nährboden für Gewalt sein können. »Wir sind besorgt, dass rechtsextremes Gedankengut in der Mitte der Gesellschaft sichtbar wird«, sagte Fritz Mielert von den Anstiftern. »Es ist unsere Pflicht, uns dem entgegenzustellen.« Er erklärte zudem, dass Pegida Stuttgart nun aufgerufen habe, nächsten Montag auf die Straße zu gehen und schloss mit den Worten: »Wir sehen uns wieder.«

Zu der Stuttgarter Anti-Pegida-Demo hatten unter anderem IG Metall, ver.di, kirchliche Gruppen, Umweltschützer, Asyl-Arbeitskreise, LINKE sowie SPD- und Grünen-Orts- und Kreisverbände aufgerufen. Von der CDU war nichts zu sehen. Sie befindet sich im Wahlkampfmodus und will bei der Landtagswahl im Frühjahr 2016 den »Betriebsunfall«, der sie vor drei Jahren erstmals seit Kriegsende aus der Landesregierung hinauskatapultiert hat, vergessen machen. Wenn die FDP nicht mehr in den Landtag kommt, fehlt ihr aber ein natürlicher Koalitionspartner. Zwar sind die Grünen oder die SPD denkbar, doch eine Alternative würde den Christdemokraten durchaus gefallen. Wer weiß, wie stark die AfD in Baden-Württemberg 2016 ist.

Auch in anderen Städten, wo am Montag keine Pegida-Demonstrationen stattfanden, gingen Gegner der Islamfeinde auf die Straße. In Hamburg hatte die Demonstration das Motto »Tolerante Europäer gegen die Idiotisierung des Abendlandes« (»Tegida«). Rund 4500 Demonstranten versammelten sich am Hauptbahnhof der Hansestadt.

In der Rostocker Innenstadt demonstrierten mehrere Hundert Menschen für Offenheit und Toleranz. Sie wollten damit ein Zeichen gegen die ursprünglich für Montag kommender Woche geplante Pegida-Demonstration in Rostock (»Rogida«) setzen. Allerdings wird diese Veranstaltung nicht stattfinden. Der Anmelder hat die Demonstration abgesagt. Stattdessen wiesen Pegida-Aktivisten im Internet auf zwei geplante Demonstrationen in Schwerin und Stralsund hin, die am Montag stattfinden sollen.

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