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Tschechinnen mit Staffelsieg in Oberhof

Deutsche Biathletinnen enttäuschen als Zehnte

  • Von Oliver Kern, Oberhof
  • Lesedauer: 3 Min.

Luise Kummer weiß, dass sie ein schweres Erbe antritt. Die 21-jährige Thüringerin war vor fünf Jahren erstmals beim Weltcup in Oberhof dabei: »Damals war ich Vorläuferin und durfte eine Runde vor den vollen Tribünen laufen«, erinnert sie sich. Zu jener Zeit waren regelmäßig mehr als 20 000 Fans am Grenzadler, um Magdalena Neuner, Andrea Henkel oder Kati Wilhelm anzufeuern. Kummer und ihre jungen deutschen Staffelkolleginnen, die die Lücke nach den Rücktritten von Neuner und Co. füllen sollen, wollten am Mittwochnachmittag gerade noch 8000 sehen. Der große Biathlonboom in Deutschland scheint erst einmal vorbei - auch sportlich. Die deutsche Staffel wurde mit mehr als drei Minuten Rückstand auf Sieger Tschechien abgeschlagen Zehnte.

Startläuferin Luise Kummer hatte nur in der ersten Kurve die Überraschungssiegerinnen von Hochfilzen vorn halten können. Doch schon auf der kurzen Runde bis zum ersten Schießen fiel sie aus den ersten Zehn heraus. Mit einer Strafrunde nahm sie ihrer Staffel dann endgültig jede Podiumschance. »Die Zuschauer haben mich super gepusht, doch leider konnte ich das beim Schießen nicht ausblenden«, sagte die enttäuschte Kummer. An ihr allein lag es jedoch nicht, dass die ohne die bislang erfolgreichsten Läuferinnen Franziska Hildebrand und Laura Dahlmeier angetretenen Deutschen so hinterherliefen. Keines der als gute Schützinnen geltenden Talente kam ohne Fehler aus, und drei von ihnen verloren im stumpfen Oberhofer Neuschnee mehr als eine Minute auf die jeweils Laufbesten ihres Durchgangs. »Der Abstand war schon nach Luise zu groß, um vorn mitmischen zu können. Wir waren heute auch läuferisch nicht bei den Besten dabei. Das überrascht mich aber nicht«, schraubte Disziplintrainer Gerald Hönig die Ansprüche an seine Athletinnen herunter. 20, 21, 22 und 25 Jahre waren die vier in Oberhof eingesetzten Biathletinnen jung. Mit ihnen sei nicht viel mehr erreichbar, wollte Hönig wohl ausdrücken. Doch lenkt er damit auch von eigenen Fehlern der Vergangenheit ab.

Da auch Russland und Norwegen prominente Abgänge zu verzeichnen hatten, ist Platz für neue Länder in den Siegerlisten. Den erobern immer häufiger die Frauen aus Belarus, die hinter Frankreich diesmal Dritte wurden und nun auch die Tschechinnen, denen in Oberhof Historisches gelang. Gabriela Soukalova und Schlussläuferin Veronika Vitkova führten ihre Staffel erstmals überhaupt zum Sieg, vor allem dank guter Laufleistungen.

»Ich wusste nach der Weihnachtspause nicht, wo ich stehe, doch ich habe gleich zu Beginn meiner Runde viel Energie verspürt«, sagte die mehrfache Einzelsiegerin Soukalova. Kollegin Vitkova war beim letzten Schießen zwar »sehr nervös« und musste zweimal nachladen, »aber ich habe mich auf der Schlussrunde gut gefühlt und konnte Frankreich wieder hinter mir lassen«.

An die Tschechinnen auf dem Podium haben sich die Biathlonfans mittlerweile schon gewöhnt. Daran, dass ihre deutschen Lieblinge dort immer häufiger fehlen, allerdings auch.

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