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Wer ablehnt, fliegt raus

Der DOSB will anhand von Umfragen in Hamburg und Berlin über den Bewerber für Olympia 2024 entscheiden

  • Von Oliver Kern, Oberhof
  • Lesedauer: 4 Min.

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DOSB-Präsident Hörmann will Bürger in Berlin und Hamburg nach ihrer Olympiabegeisterung befragen. Entscheidet sich nur eine Stadt für die Spiele, gewinnt sie die deutsche Kandidatenauswahl für 2024.

Das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hat beschlossen, in der letzten Februarwoche in Berlin und Hamburg Meinungsumfragen durchführen zu lassen. Das teilte DOSB-Präsident Alfons Hörmann am Samstag am Rande des Biathlon-Weltcups in Oberhof mit. Sollte sich bei den gleichzeitigen Befragungen herausstellen, dass die Unterstützung für eine Bewerbung um die Olympischen Sommerspiele 2024 nur in einer der Städte vorhanden ist, wird diese mit allergrößter Wahrscheinlichkeit vom DOSB im März zum deutschen Kandidaten erkoren.

»Wenn es so wäre, dass die Zustimmung in einer Stadt unter 50 Prozent liegt und in der anderen deutlich darüber - in welcher Konstellation auch immer -, dann fällt mir kein Argument dafür ein, dass wir uns für die erste entscheiden«, sagte Hörmann auf »nd«-Nachfrage. »Die Ergebnisse in der absoluten Höhe und im Abstand voneinander werden sicher eine ganz gewichtige Rolle spielen in unserer Entscheidung, wenn auch nicht die alleinige. Eine olympische und paralympische Bewerbung ohne eine positive Grundstimmung in der Stadt von Anfang an wäre nur schwer zum Erfolg zu bringen«, so Hörmann.

Der DOSB ist ganz offensichtlich darum bemüht, Fehler rund um die Münchner Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022 nicht zu wiederholen. Damals hatte man sich früh festgelegt und die Bewerbung schon weit vorangetrieben, bevor eine überraschend breite Ablehnung in Bayern das Aus für die Kandidatur und eine Schmach für den Dachverband bedeutete. Ein positives Bürgervotum ist von der Politik in Hamburg und Berlin zwar als Pflicht nach der DOSB-Entscheidung angesetzt, doch der DOSB will schon vorher mehr Sicherheit. »Deshalb brauchen wir die Zustimmung in einer der Städte, bevor wir uns im März entscheiden, mit welcher der Städte wir uns auf den Weg machen.«

Hörmann vermied es in Oberhof erneut, die Bewerbungen von Hamburg und Berlin zu vergleichen oder gar zu bewerten. »In beiden Fällen wurden stimmige und gute Konzepte mit ganz unterschiedlichen Ansätzen entwickelt«, sagte Hörmann lediglich. »Die Agenda 2020 des IOC stellt auch eine wichtige Unterstützung dar, doch am Ende geht es darum, diese neuen Ansätze auch gelungen umzusetzen und die Bürger mehrheitlich davon zu überzeugen, dass Olympische Spiele nach der Agenda noch mehr als zuvor eine Riesenchance für die Stadt, die Region und das ganze Land sein können.«

Bei zurückliegenden Umfragen stimmten die Hamburger in höherem Maße den Spielen zu, wenn auch der Abstand zu den Berlinern in den vergangenen Monaten sank. In der Hauptstadt gab es bereits Umfragen, in denen eine Mehrheit die Spiele vor der eigenen Haustür ablehnte.

Hörmanns Vorgänger Thomas Bach machte Unterstützern einer deutschen Bewerbung in einem anderen Punkt wieder Hoffnung. Nachdem die USA zwei Tage zuvor Boston ins Rennen um die Sommerspiele 2024 geschickt hatten, versuchte der IOC-Präsident in Oberhof, die Ängste zu entkräften, dass die Stadt an der US-Ostküste bereits als Favorit gilt, da das IOC Milliarden Dollar aus Verkäufen von TV- und Sponsoringrechten an US-Firmen erhält. »Es gibt keine Favoritenstellung. Der Startblock steht für alle auf gleicher Höhe. Dass kommerzielle Überlegungen hier keine Rolle spielen, zeigt bereits, dass die Fernsehverträge abgeschlossen werden, bevor die Olympischen Spiele vergeben werden«, sagte Bach. Das IOC erlaube auch keine zweigeteilten Angebote für verschiedene Länder oder Kontinente und achte strikt darauf, dass hier keine Anreize für die Vergabe an bestimmte Länder entstehen würden.

DOSB-Präsident Hörmann wollte zudem anhand der Vergabe von Ski- und Biathlon-Weltmeisterschaften beweisen, dass es solche Zusammenhänge nicht gebe: »Wenn Marketingverträge eine dominante Rolle spielen würden, müssten Deutschland und Norwegen hier jeweils viel häufiger Weltmeisterschaften austragen dürfen.« Stattdessen musste der DSV mit Oberstdorf viermal in Folge Niederlagen bei Bewerbungen um eine Nordische Ski-WM einstecken - »trotz hervorragender Beiträge im Marketing«, so Hörmann.

Bach wollte außerdem nicht ausschließen, dass auch nach Verabschiedung seiner Reformagenda unbedingt die beste Bewerbung den Zuschlag von den IOC-Mitgliedern erhalten wird. »Es hat auch in der Vergangenheit bei den Evaluierungsberichten nie ein Ranking gegeben. Nun werden sie zwar umgewandelt in eine Risikoanalyse. Doch auch danach kommen natürlich noch geopolitische Erwägungen in Betracht«, so Bach. »Es hat schon immer eine informelle Rotation zwischen den Kontinenten gegeben. Das ist auch ein legitimes Argument, dass die IOC-Mitglieder berücksichtigen können.« Mit solchen Argumenten wird es schwerfallen, Begeisterung in der Bevölkerung zu entfachen.

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