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Kein Erdbeben

Oliver Kern meint, dass der CAS noch nicht ausgedient hat

Der Entscheidung im Fall Pechstein wird Epochales nachgesagt, die Schiedsgerichte im Sport stünden vor dem Aus. Doch dem ist längst nicht so. Das Münchner OLG kritisierte zunächst einmal, dass die Verbände zu großen Einfluss auf die Auswahl der Schiedsrichter am Sportgerichtshof CAS hätten. Daher sei dessen Neutralität nicht gewährleistet. Dieses Schiedsgericht kann jedoch reformiert und unabhängig von Sportverbänden aufgestellt werden. Dann, so ließ der OLG-Richter durchblicken, hat der CAS durchaus seine Berechtigung.

Schiedsgerichte sollen im Allgemeinen dafür sorgen, dass zivile Gerichte in Kenia nicht anders entscheiden als britische. Im Sport sprechen sie zudem Sperren schneller als ein Zivilgericht aus. All das dient den sauberen Athleten, um möglichst gleiche Voraussetzungen zu schaffen. Wenn der CAS bald also neutral besetzt wird, dürfte wohl auch eine Schiedsvereinbarung zwischen Athlet und Verband rechtens sein, selbst wenn letzterer diese ob seiner Monopolstellung als einziger Anbieter von Weltmeisterschaften quasi erzwingt - was Pechstein so kritisierte.

Auch der indirekte Nachweis von Doping anhand abnormaler Blutwerte im biologischen Pass ist in München nicht ausgehebelt worden. Angeblich müsse ein Verband vor dem CAS ja nicht nachweisen, dass der Sportler gedopt habe, vor einem ordentlichen Gericht aber schon. Ganz so einfach ist auch das aber nicht. Nachweise werden geführt, und dann in die Dopingliste aufgenommen. Dies nicht bei jedem Fall zu wiederholen, dient dazu, Sünder schneller zu sperren.

Bei Pechstein war zwar dieser Nachweis falsch. Das war jedoch kein Fehler des CAS, sondern einer von Medizinern. Ist der Nachweis fehlerfrei, hat er sehr wahrscheinlich auch vor ordentlichen Gerichten Bestand. Das Erdbeben ist also keins und eine Klagewelle von Dopern ist also nur zu erwarten, wenn die Sportverbände auf ihren Einfluss am CAS pochen. Das ist nach dem Münchner Richterspruch extrem unwahrscheinlich geworden.

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