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Fußballfest für einen Despoten

Am Sonnabend beginnt in Äquatorialguinea der Afrika-Cup

  • Von Carola Frentzen
  • Lesedauer: 3 Min.
In der Liste der korruptesten Länder Afrikas nimmt Äquatorialguinea einen der führenden Plätze ein. Jetzt darf das Land den Afrika-Cup ausrichten - denn andere hatten zu viel Angst vor Ebola.

So manche afrikanische Diktatoren heben gerne den Zeigefinger, wenn es darum geht, in ihren gebeutelten Ländern internationale Großevents auszurichten. So geschehen im November in Äquatorialguinea, einem winzigen Staat an der westafrikanischen Küste. Die Organisatoren des Afrika-Cups scheinen die undemokratischen Zustände und die Menschenrechtsverletzungen nicht zu stören, gaben sie dem Ölland doch bereits zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren den Zuschlag für das größte Fußballturnier des Kontinents.

Ursprünglich sollte das Königreich Marokko als Gastgeber fungieren. Das Land pochte jedoch wegen der Ebola-Epidemie, die Teile Westafrikas erschüttert, auf eine Verlegung des Turniers um ein Jahr. Die Regierung befürchtete, dass Fans das Virus ins Land einschleppen könnten - wohl keine ganz unberechtigte Angst, angesichts der Tatsache, dass sich die Seuche 2014 in Windeseile von Guinea in die Nachbarländer Liberia und Sierra Leone ausgebreitet hatte. Über 8000 Menschen sind bereits gestorben.

Von einer Absage des Afrika-Cups, der vom 17. Januar bis 8. Februar stattfindet, wollte der afrikansiche Fußballverband CAF aber nichts wissen. Prompt verbot er Marokko die Teilnahme und sperrte das Land auch für die nächsten beiden Turniere. »Wenn wir dieses Event verschieben, wäre das tödlich für Afrikas Fußball«, begründete CAF-Präsident Issa Hayatou die Entscheidung. »57 Jahre lang haben wir dieses Haus gebaut, das heute der Stolz aller Afrikaner ist.«

Tatsächlich sind die meisten Menschen auf dem Kontinent völlig fußballverrückt. Selbst die, die kaum genug zu essen und zum Leben haben, verfolgen wichtige Spiele vor knatternden Fernsehern der Bars. Dennoch fand sich zunächst kein Land, das die Gastgeberrolle übernehmen wollte. Die CAF teilte zwar mit, »ein paar« Staaten hätten Interesse an der Ausrichtung bekundet, aber Namen nannte der Verband nicht. Da kam die Zusage aus Äquatorialguinea wie gerufen, stellt es doch alle beteiligten Seiten zufrieden. Denn eigentlich war das Land im Juli von der Meisterschaft ausgeschlossen worden, weil die Nationalmannschaft bei der Qualifikation einen nicht spielberechtigten Akteur eingesetzt hatte. Nun darf das Team doch mitkicken. Stadien gibt es auch, weil Äquatorialguinea das Turnier bereits 2012 zusammen mit Gabun ausgerichtet hatte.

Bleibt die Frage nach den ethischen Grundsätzen: Präsident Teodoro Obiang Nguema hatte sich 1979 an die Macht geputscht und ist somit sogar länger Staatschef als Simbabwes Langzeitherrscher Robert Mugabe. Menschenrechtsorganisationen werfen dem 72-Jährigen und seinen Vertrauten unter anderem massive Korruption und Unterdrückung vor.

Lisa Misol, Expertin von »Human Rights Watch«, kommentierte nach der CAF-Entscheidung: »Die Situation im Land ist genauso schlecht, in mancher Hinsicht sogar schlechter als beim Turnier 2012. Wer hinter die glänzenden neuen Konstruktionen in der Nähe der Stadien blickt, wird bemerken, dass fast die Hälfte der Bevölkerung nicht über sauberes Wasser und einfache sanitäre Anlagen verfügt.« Auch das Schulsystem und die Gesundheitsversorgung sind schlecht. Schätzungen zufolge sterben 20 Prozent der Kinder, bevor sie fünf Jahre alt werden. Politische Gegner werden verhaftet und gefoltert, die Presse und die Meinungsfreiheit weitgehend unterdrückt.

Obiang, seine Familie und die Regierung schwelgen derweil in purem Luxus, den sie sich durch Veruntreuung und massive Öleinnahmen gesichert haben sollen. Schließlich ist Äquatorialguinea nach Nigeria und Angola der drittgrößte Ölproduzent des Kontinents. Das staatliche Pressebüro bezeichnete die internationale Kritik als »absurde Anschuldigung«. Obiang brauche keine Werbung, seine Leistungen sprächen für sich, hieß es. Zudem würden alle nötigen Maßnahmen ergriffen, um zu verhindern, dass Besucher Ebola ins Land bringen. Wie das abgesehen von verschärften Passagier-Kontrollen am Flughafen und an den Grenzen aussehen soll, blieb offen. dpa/nd

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