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»Das Kapital« zum Schnuppern

PolyluxMarx: zur zweiten Auflage einer Einführung in die Grundbegriffe der Kritik der Politischen Ökonomie

  • Von Guido Speckmann
  • Lesedauer: 2 Min.

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Zweiter Band? Das ist verwirrend. Marx- und Kapitalkenner fühlen sich an den zweiten Band des Marx’schen Hauptwerkes von »Das Kapital« erinnert. Doch um diesen, das wird sogleich im Vorwort klargestellt, geht es in dem zweiten Band von PolyluxMarx eben nicht. Vielmehr sind alle drei Bände des »Kapitals« Gegenstand des zweiten Bandes von PolyluxMarx. Der erste Band, erschienen vor drei Jahren, hatte ausschließlich zentrale Begriffe aus dem ersten Band des »Kapitals« zum Gegenstand (und war auf die Nutzung in einem wöchentlichen Lesekreis zugeschnitten.) In beiden Fällen jedoch handelt es sich um unterstützendes Bildungsmaterial zur Marx’schen »Kapital«-Lektüre in Form einer Sammlung von kommentierten PowerPoint-Folien. Herausgegeben werden die PolyluxMarx-Bücher von der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Das Interesse am Marx’schen Hauptwerk »Das Kapital« sei in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen, heißt es einleitend. Doch 2500 Seiten anspruchsvolle Lektüre - dazu hat kaum noch jemand die Zeit. Somit sind Tages- oder Wochenendseminare eine gute Möglichkeit, in Grundbegriffe der Kritik der Politischen Ökonomie hineinzuschnuppern. An die Teamer dieser Seminare richtet sich der neue PolyluxMarx in erster Linie. Von Vorteil ist dabei, dass die von Marx gewählten Beispiele für Waren (Tisch, Weizen) zwar auch vorkommen, aber durch aktuelle ergänzt werden, so auch durch Dienstleistungen wie Taxifahrten oder die Entwicklung von Smartphone-Apps. Mit diesen Beispielen werden zentrale Begrifflichkeiten und Kategorien wie Doppelcharakter der Ware, Wertgröße und Produktivkraft etc. erläutert.

Insbesondere aber die Vorstellung von Begriffen aus dem dritten Band des »Kapitals« bietet große Anknüpfungspunkte. Kreditbeziehungen, fiktives Kapital und Krise spielen in Schulden- und Eurokrise der letzten Jahre eine große Rolle. In diesem Zusammenhang werden auch Derivate erläutert. Und zwar als weitergetriebener Handel mit Eigentumstiteln. Auch dies sei fiktives Kapital, mithin Ansprüche auf Ansprüche. Einen Bogen zur Griechenlandkrise schlägt das im Anhang vorgestellte Rollenspiel. Vor dem Hintergrund der griechischen Misere können die Seminarteilnehmer herausfinden, wie und warum sich der Preis von Staatsanleihen verändert.

Krisentheoretisch bevorzugen die Autoren von PolyluxMarx eine Lesart, die verschiedene Krisendynamiken in einen systematischen Zusammenhang stellt. »Fallen Angebot und Nachfrage anhaltend auseinander (Überproduktion, Unterkonsumtion), wurde auch zu viel Kapital investiert (Überakkumulation).« Diese Präferenz wird jedoch deutlich gemacht und es werden auch andere Ansätze angeführt. Eine Textauswahl aus dem ersten Band von »Das Kapital« rundet die Publikation ab. Nicht nur für Teamer, sondern auch für jene, die ihr Wissen auffrischen wollen, ist der zweite Band von PolyluxMarx somit empfehlenswert.

Das Buch sowie Folien unter: www.polyluxmarx.de

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