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Stellvertreterkrieg in Jemen

Der Kampf zwischen Sanaa und den Huthi-Milizen geht in die nächste Runde

Die jemenitische Führung befindet sich in höchster Bedrängnis: Der Staatspräsident auf der Flucht, der Premier unter Beschuss. So beginnt das Jubiläumsjahr der Vereinigung.

Eigentlich hatte man in Jemens Hauptstadt Sanaa vor, den Tag festlich zu begehen: Am Donnerstag ist es 25 Jahre her, dass die Grenzen zwischen der (Nord)-Jemenitischen Arabischen Republik und der Volksdemokratischen Republik (Süd)-Jemen offiziell geöffnet wurden. Vollzogen wurde die Vereinigung beider Staaten am 22. Mai jenes Jahres. Zu feiern gibt und gab es auch bisher freilich nichts. Im vergangenen Vierteljahrhundert gab es kein Jahr ohne Krieg, Stammesauseinandersetzungen oder schwere Anschläge. Und dazu ist das biblische »Arabia felix« alles andere als ein Hort des Glücks, sondern der ärmste Winkel der Arabischen Halbinsel. Die jetzige Situation ist ein Resultat all dessen.

Staatspräsident Abed Rabbo Mansur Hadi, der jetzt fast genau drei Jahre im Amt ist, soll sich auf der Flucht befinden; Ministerpräsident Chaled Bahah wird in seinem Amtssitz belagert. Ausgelöst hat diese klägliche Lage der ersten Männer des Staates ein militärischer Handstreich der Huthi-Milizen. Überraschend war daran allenfalls der Zeitpunkt. Hadi jedenfalls soll seinen Palast schon seit Wochen gemieden haben, der am Dienstag von Huthi-Milizionären umzingelt wurde. Der Präsident weiß warum. Er hat den Huthi-Führern im September eine Machtteilhabe zugesagt, sich in der Folgezeit aber offensichtlich nicht mehr daran erinnert.

Schon vor vier Monaten hatten die Huthi - ein Clan der schiitischen Sekte der Zaiditen, die bis zu einem Drittel der jemenitische Bevölkerung ausmachen soll - dem Präsidenten seine Hilflosigkeit vor Augen geführt. Mehrheitlich leben in Jemen Sunniten. Handstreichartig hatten Huthi-Kämpfer jedoch die Hauptstadt Sanaa und die wichtigste Hafenstadt am Roten Meer, Hodeida, genommen und Machtteilhabe verlangt.

Jemen ist traditionell ein Land mit äußerst schwacher Zentralgewalt. Das wenige, was diese zu verteilen hat, ist stets hart umkämpft. Die in Jemen immer wieder vorkommenden Entführungen vermeintlich wohlhabender Ausländer zum Beispiel aus Westeuropa sind deshalb häufig nicht in erster Linie Mittel, um die Angehörigen oder Staaten der Opfer zu erpressen. Man will vielmehr die Regierung in Sanaa nötigen, Forderungen des Stammes zu erfüllen, der für das Kidnapping verantwortlich ist. Sanaa, das es sich nicht leisten kann, auf Entwicklungshilfe aus dem Westen zu verzichten, zahlt und wird auf informellem Wege aus Europa »entschädigt«.

Diesmal allerdings geht es um anderes als Bandenkriminalität mit politischer Komponente. Obwohl es bisher niemand verifizieren konnte, ist doch alle Welt davon überzeugt, dass sich in Sanaa nicht nur die Palastwache des - sunnitischen - Präsidenten und die Milizen der - schiitischen - Huthi gegenüberstehen. Man geht davon aus, dass ähnlich wie auf dem Schlachtfeld Syrien auch in Jemen ein Stellvertreterkrieg zwischen zwei Regionalmächten stattfindet: der (schiitisch)-Islamischen Republik Iran und dem Hort des Sunnismus, dem Königreich Saudi-Arabien.

Im Osten des Landes, im nördlichen Hadramaut, operieren zudem Terrortrupps, die sich als »Al Qaida der Arabischen Halbinsel« (AQAP) bezeichnen. Ohne Geld und Waffen aus Saudi-Arabien könnten sie kaum existieren. Von den USA, die das saudische Königshaus militärisch absichern, werden AQAP-Gebiete immer wieder mit opferreichen Drohnengriffen überzogen. Es wäre daher wohl ein Wunder, wenn die Jemeniten angesichts all dieser Interessenüberlagerungen ihre Probleme selbst lösen könnten.

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