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Kanadische Ausbilder liefern Bombenziele

Bundesverteidigungsministerium wortkarg zum Thema Bundeswehr-Trainer für Anti-IS-Kampf in Irak

Kanadische Militärs, die angeblich als Ausbilder in Irak sind, wurden von IS-Kämpfern mit Mörsern und Maschinengewehren beschossen. Der Vorfall wirft zusätzliche Fragen zum geplanten Auftrag der Bundeswehr auf.

Berlin. Kanadische Soldaten sind in der vergangenen Woche von Truppen des Islamischen Staates (IS) beschossen worden. Die Regierung in Ottawa wiegelte ab: Die Soldaten seien mit Mörsern und Maschinengewehren beschossen worden. Die hätten Reichweiten von bis zu zwei Kilometern. Es sei also gar nicht sicher, ob Kanadier wirklich an der Front gewesen sind.

Als Beschwichtigungsversuche der Regierung nicht verfingen, redete Brigadegeneral Mike Rouleau, Kommandeur des kanadischen Special Operations Forces, Klartext. Seine Leute seien an der Laser-Zielmarkierung beteiligt, also quasi als Augen der Bomberpiloten am Boden unterwegs. Bislang habe man so 13 Luftangriffe gegen den IS geführt.

Die Luftangriffe der westlichen Anti-IS-Allianz begannen im vergangenen August. Die anfangs fehlende Zielmarkierung vom Boden aus – kurz JTAC genannt – war die Schwachstelle der alliierten Luftangriffe. General Rouleau erklärte, die Iraker hätten weder die Technik noch die Ausbildung dafür. Die Anti-IS-Allianzführung besprach das Thema auf höchster Ebene in Washington. Doch entsprechende JTAC-Anfragen des US-Befehlshaber Lloyd Austin wurden vom Pentagon abgelehnt.

Kanada ist mit sechs CF-18-Kampfjets, einem Tankflugzeug und zwei Überwachungsflugzeugen an der Anti-IS-Koalition beteiligt. 600 Luftwaffensoldaten wurden dafür in die Region verlegt. Zudem bilden knapp 70 Soldaten irakische Kollegen aus.

Die nun bekannt gewordenen Kampfeinsätze seien nicht Teil des Mandats, das vom kanadischen Parlament erteilt wurde, meldete sich die Opposition. Roland Paris, Chef des renommierten Zentrums für internationale politische Studien in Ottawa, sagte: »Dies scheint eine andere Art von Mission zu sein als die, die wir nach einer Debatte legalisiert haben.«

Auch Deutschland will Ausbilder nach Irak schicken. Das ist politisch wie rechtlich umstritten. Das Verteidigungsministerium in Berlin hielt sich am Mittwoch nach nd-Anfrage zu der in Erbil geplanten Mission zurück, denn noch stehe die Zustimmung des Parlaments aus. Mitte Januar habe es in Potsdam eine erste multinationale Planungskonferenz unter deutscher Verantwortung gegeben. Bis zum Monatsende gebe es weitere Treffen »in verschiedenen europäischen Städten zur Ausplanung der Ausbildungsunterstützung«. Der deutsche Beitrag werde sich »an dem Bedarf der kurdischen und irakischen Sicherheitskräfte orientieren. Die Verantwortung wird bei dem regional zuständigen Peschmerga-Ministerium verbleiben.«

Beim Besuch in Erbil Mitte Januar wurde Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) von kurdischen Peschmerga um weitere, vor allem schwere Waffen gebeten. Kurdische Generäle wünschten sich zudem Bundeswehr-Ausbilder in Frontnähe. Von der Leyen soll sich – laut »Tagesschau« – beeindruckt gezeigt haben von so viel Deutlichkeit. Seitdem herrscht Schweigen in Berlin.

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