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Vergessener Aufbruch

Vor 25 Jahren schickte Japan als drittes Land eine Rakete zum Mond

Weithin unbemerkt von der westlichen Öffentlichkeit gelang Japan 1990 ein beeindruckender Erfolg in der Raumfahrt. Nach der UdSSR und den USA brachte das Land eine Sonde in eine Mondumlaufbahn.

Der Wettlauf um die »Eroberung« des Kosmos, den die Sowjetunion und die USA in den 1950er Jahren begonnen hatten, fand mit dem Mondflug von »Apollo 11« im Juli 1969 seinen spektakulären Höhepunkt. Manche Raumfahrtpioniere träumten danach von einem möglichst baldigen Flug zum Mars. Doch all die hochfliegenden Pläne dazu wurden aus technischen und finanziellen Gründen auf eine nicht näher bestimmte Zukunft verschoben, so dass seit dem Ende des Apollo-Programms kein Mensch mehr den erdnahen Kosmos verlassen hat.

Dennoch ging die Erforschung des Mondes weiter - unbemannt und mit aufsehenerregenden Erfolgen der UdSSR: Die 1970 von Baikonur aus gestartete Sonde »Luna 17« setzte auf dem Mond den Rover »Lunochod 1« ab, der als erstes Fahrzeug überhaupt einen fremden Himmelskörper erkundete. Andere »Luna«-Sonden sammelten Staub auf der Mondoberfläche und kehrten mit der wertvollen Fracht zurück zur Erde. Zum letzten Mal geschah dies im August 1976 im Rahmen der Mission »Luna 24«.

Danach endete die Ära der intensiven Erforschung des Mondes, an der sich die USA seit dem letzten Apollo-Flug (1972) gar nicht mehr beteiligt hatten. Erst 1990 schwenkte erneut ein Flugkörper in eine Mondumlaufbahn ein: die nach einer himmlischen Jungfrau benannte japanische Sonde »Hiten«. Sie war an Bord einer Mu-3S2-Trägerrakete am 24. Januar 1990 vom Weltraumzentrum Kagoshima im Süden Japans gestartet worden und wog knapp 200 Kilogramm. Ihre wissenschaftliche Mission beschränkte sich auf die Messung von Staubteilchen zwischen Erde und Mond. Ansonsten diente der Flug vor allem als Technologieexperiment zur Gewinnung neuer Erkenntnisse für weitere Starts zum Mond und gegebenenfalls zu anderen Planeten.

Am 19. März 1990 erreichte »Hiten« den Erdtrabanten und setzte die zwölf Kilogramm schwere Tochtersonde »Hagoromo« ab, die anschließend den Mond zu umrunden begann. Allerdings ging der Kontakt zu ihr noch am selben Tag verloren. Mit Hilfe einer Schwerkraftumlenkung an der Erde, kurz »Swing-by-Manöver« genannt, wurde am 15. Februar 1992 auch die Raumsonde »Hiten« in eine Mondumlaufbahn befördert, die sie über ein Jahr beibehielt. Erst nachdem der mitgeführte Treibstoff verbraucht war, schlug die Sonde am 10. April 1993 auf der Mondoberfläche auf und zerschellte. Auf der Erde war dabei eine fünf Kilometer große Staubwolke zu beobachten.

Den nächsten unbemannten Mondflug kündigte Japan für das Jahr 1995 an. Doch der Start der Sonde »Lunar-A«, die unter anderem die Mondoberfläche hätte genauer erkunden sollen, wurde wegen technischer Probleme mehrmals verschoben und 2010 ganz gestrichen. Inzwischen hatte jedoch mit der Sonde »Kaguya« erneut ein japanischer Raumflugkörper den Mond erreicht. Die Mission, bei der im September 2007 insgesamt drei Satelliten zum Einsatz kamen, lieferte präzise dreidimensionale Bilder von der Mondoberfläche sowie Daten über das Schwerefeld auf der Rückseite des Erdtrabanten. Nach Abschluss der wissenschaftlichen Arbeiten schlug »Kaguya« am 10. Juni 2009 wie geplant auf dem Mond auf.

Einige Monate zuvor war dort bereits die Sonde »Chang'e 1« zerschellt und damit der erste Raumflugkörper, mit dem China im Oktober 2007 in die Mondraumfahrt eingestiegen war. Nach einer weiteren Mondumrundungsmission gelang den Chinesen sogar etwas, was den Japanern bisher versagt blieb: Im Dezember 2013 landeten sie die Sonde »Chang'e 3« weich auf der Mondoberfläche.

Vor Jahren wurde überdies bekannt, dass die japanische Weltraumorganisation JAXA (Japan Aerospace Exploration Agency) 1998 eine Marssonde gestartet hatte, die nach mehreren Kurskorrekturen durch eine Sonneneruption beschädigt wurde. Infolge eines Defekts im Bordcomputer flog sie 2003 am Mars vorbei und umrundet seitdem die Sonne in einer entfernten Umlaufbahn.

Wie China und andere Staaten verfolgt auch Japan langfristig ein ehrgeiziges Mondprogramm. Ziel ist die Errichtung einer Basis nahe dem Südpol des Erdtrabanten. Allerdings sollen nicht Menschen die Arbeiten hierzu ausführen, sondern solarbetriebene, humanoide Roboter. Nach derzeitiger Planung werden diese etwa 330 Kilogramm wiegen, menschenähnliche Oberkörper mit Greifarmen besitzen und sich auf Gleisketten fortbewegen. Obwohl vorgesehen ist, die Roboter von der Erde aus zu steuern, sollen sie über so viel Künstliche Intelligenz verfügen, dass sie bei Bedarf autonom handeln und sich überdies selbst reparieren können. Für das Projekt sind Kosten in Höhe von rund 2,2 Milliarden US-Dollar veranschlagt. Ob es irgendwann auch Menschen vergönnt sein wird, die Mondbasis zu nutzen, ist angesichts der vielen Probleme des ganzen Unternehmens derzeit eine offene Frage.

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