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All eyes on Chevron

Letzter Public Eye Award geht an Ölmulti für besonders verantwortungslose Konzernpolitik

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Als Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum wurde am Freitag der Schmähpreis für den schlimmsten Konzern verliehen.

And the winner is: Chevron! Auf Jubelschreie und lange Dankesreden mussten die Verleiher des Negativpreises Public Eye Award allerdings verzichten. Der am Freitag im schweizerischen Davos zum »verantwortungslosesten Unternehmen« der vergangenen Jahre gewählte Energiekonzern schickte keinen Vertreter zur Preisverleihung - obwohl die Manager keinen weiten Weg gehabt hätten: Der wegen seiner rücksichtslosen Ölförderpolitik im ecuadorianischen Regenwald, ausgelaufenen Erdöls in Brasilien und des Vorantreibens der umstrittenen Fracking-Technologie in der Kritik stehende Multi ist Partner des am Sonnabend endenden Weltwirtschaftsforums (WEF).

Auf der schwer bewachten Veranstaltung im Schweizer Bergort Davos beraten in diesem Jahr 2500 Politiker, Wirtschaftsvertreter und Ökonomen über die großen Fragen der Weltwirtschaft. Seit 1999 begleitet das Public-Eye-Award-Bündnis - bestehend aus der gemeinnützigen Initiative »Erklärung von Bern« (EvB) und der Umweltschutzorganisation Greenpeace - die Konferenz kritisch; seit 2005 verleihen sie den Award an Konzerne, die sich besondere »Verdienste« in den Bereichen Umweltverschmutzung, Menschenrechtsverletzungen und Korruption erarbeitet haben. Insgesamt wurden 27 Jury- und Publikumspreise an 23 Unternehmen vergeben. »Keiner davon wurde abgeholt«, heißt es in der Abschlusserklärung des Bündnisses.

2015 soll ein Abschluss und zugleich ein neuer Anfang werden - der nun vergebene »Lifetime Award« an Chevron ist der letzte seiner Art. Das Publikum konnte neben dem US-amerikanisch-brasilianischen Konzern auch für das Chemieunternehmen Dow Chemical, den Schweizer Rohstoffhändler Glencore, den russischen Energiemulti Gazprom, der US-Investmentbank Goldman Sachs und den US-Handelsmulti Walmart abstimmen. Gründe für den Schmähpreis hätte man bei allen genügend finden können, die Wähler entschieden sich jedoch für Chevron.

Zwischen 1964 und 1990 hatte der 2001 von Chevron aufgekaufte Texaco-Konzern in Ecuador Erdöl gefördert. Böden und Pflanzen seien vergiftet, sagen Umweltschützer, bei den Einwohnern treten viele Krankheiten auf. Rund 30 000 Betroffene verklagten Chevron - der Konzern weigert sich jedoch, Schadenersatz zu zahlen. Bereits 2006 gab es dafür einen Public Eye Award. 2011 verurteilte ein ecuadorianisches Gericht Chevron zu einer Strafe von 8,6 Milliarden US-Dollar, der Betrag wurde später verdoppelt, weil Chevron sich nicht für die Umweltschäden entschuldigte. »Der Fall zeigt, wie transnationale Unternehmen nicht nur den Kampf der Menschen für ihre Rechte bedrohen, sondern auch den Anspruch auf juristische Wiedergutmachung für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen untergraben«, heißt es in der Begründung für die Preisvergabe.

Für die hatte man sich illustre Gäste eingeladen: Neben den US-Aktivisten The Yes Men sprach Europaparlamentarier Sven Giegold (Grüne); Autorin Noreena Hertz debattierte mit WEF-Managing-Direktor Adrian Monck und US-Schauspieler Jared Leto hielt eine Laudatio. Als Hauptgründe für den Abschied aus Davos gab das Bündnis erreichte Erfolge an. So habe der Druck das WEF zu einer Teilöffnung bewegt und eine Gegenöffentlichkeit geschaffen. Zudem habe sich in der Schweiz ein breites konzernkritisches Bündnis zusammengefunden: »Mit der Prüfung einer Volksinitiative, die rechtlich verbindliche Regeln für die weltweite Respektierung von Menschenrechten und Umwelt durch Schweizer Unternehmen erreichen will, ist die politische Kernforderung des Public Eye auf gutem Weg«, heißt es.

Auf gutem Weg befindet sich auch Paul von der Initiative Amazon Watch, die sich für den Schutz von Regenwald und Indigenen einsetzt: Er will den Schmähpreis ins Chevron-Hauptquartier bringen.

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