Lepsius, Nietzsche, Hildebrandt

Rüdiger Görner, Literaturwissenschaftler, Schriftsteller und Filmemacher aus London, verfasste eine »Naumburger Trilogie«

Wer das seltene Glück hatte, den Schriftsteller Rüdiger Görner persönlich kennenzulernen, hat Mühe, seine Bewunderung für das, womit der Professor für deutsche Sprache und Literatur an der Londoner Universität überzeugt, in Grenzen zu halten. Eines seiner jüngsten Bücher, »Die Leiden des N. Eine Naumburger Trilogie« ist eine ebenso spannende, wie unterhaltsame Erzählung. Im Text spürt man auch den Filmemacher Görner, der den Alltag wie die Welt offenbar anders sieht, als es auf den ersten Blick scheint. Mit seinen Helden durchschaut er den Ort der Handlung und geht mit dem Leser auf eine außergewöhnliche Entdeckungsreise.

Der Erste, der uns aus der Historie der Domstadt an der Saale begegnet, ist Karl Richard Lepsius (1810-1884), ein Ägyptologe, der seinen Ruhm der Entzifferung der geheimnisvollen Schriftzeichen, der Hieroglyphen, verdankt. Schon allein von daher ist er nicht nur eine interessante Persönlichkeit. Eine seiner Expeditionen in das Land der Pharaonen galt unter anderem der Suche nach dem unbekannten fünften Element (hier schlummern noch Schätze, für weitere spannende Bücher). Görner lässt uns teilhaben an dem, was Lepsius, dem nunmehr »großen Sohn der Stadt Naumburg«, nach seiner Rückkehr von seinen abenteuerlichen Reisen in Berlin, in Salons, Akademien und bei Hofe begegnet.

Der Zweite im Bunde der Naumburger Trilogie ist kein Geringerer als der mit dem Kürzel »N« angedeutete große, zu Weltruhm gelangte deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche (1844-1900), der das Unsagbare in Versen wie der »Wind in den Saiten der Seele« erzählt. Als Gymnasiast wäre er in Schulpforta beinahe durchs Abitur gerasselt. Nun begegnen wir ihm, wie er, der Geistesriese, den Löwen vor der Naumburger Apotheke streichelt.

Und der Dritte ist einer der bedeutendsten Orgelbauer des Barock: Zacharias Hildebrandt (1688-1757), Zeitgenosse Johann Sebastian Bachs und Schüler Gottfried Silbermanns. Er ließ sich auf das Geschäft mit den Naumburger Stadtvätern ein, für die Kirche St. Wenzel seine größte Orgel mit sage und schreibe 53 Registern zu bauen. Vier Jahre brauchte er dazu, um schließlich das uneingeschränkte Lob seiner Großmeister Bach und Silbermann zu erhalten. Dass sich in dieser Zeit des Bangens auch noch die rothaarige Türmerin Mechthild Hals über Kopf in ihn verliebt, gibt dem Ausklang der »Trilogie« einen verheißungsvollen Schlussakkord. Ein poesievolles Buch. Die feinsinnigen Collagen des Malers und Grafikers Osmar Osten bewirken das ihre.

Rüdiger Görner: Die Leiden des N. Eine Naumburger Trilogie. Collagen Osmar Osten. Mironde-Verlag, 45 S.,geb., 19 €.

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