Die Partei bittet zum Tanz

Lübecker Parlament berät über einen skurrilen Antrag

  • Von Dieter Hanisch, Lübeck
  • Lesedauer: 2 Min.

Eine Fraktionsgemeinschaft, die auch ein wenig als Spaßguerilla auftritt - wo ist in der heutigen Politik dafür noch Platz? Offenbar in Lübeck. Das Fraktionsduo von Die Partei, die dem Satiremagazin »Titanic« nahe steht, und der Lübecker Piratenpartei will zur Bürgerschaftssitzung am heutigen Donnerstag einen Antrag stellen, der die Bürgerschaftsabgeordneten zum Tanz bittet. Mit Ausnahme der LINKEN haben alle anderen Bürgerschaftsmitglieder allerdings ihre Ablehnung signalisiert.

Eingebettet in Diskussionen um eine Olympia-Mitbewerbung, die Einführung einer Drei-Prozent-Klausel bei Kommunalwahlen und den Umgang mit Fracking geht es unter dem Tagesordnungspunkt 5.10. um einen Antrag von Bastian Langbehn (Die Partei) und Oliver Dedow (Piraten). Der sieht vor, dass die übliche Abendbrotpause bei den Bürgerschaftssitzungen zeitlich verdoppelt wird, damit Besucher gegen ein Spendenhonorar Abgeordnete für ein Tänzchen buchen können. Das Geld soll dann nach dem Willen der Antragsteller an eine soziale oder wohltätige Einrichtung der Hansestadt gehen.

Für so viel Realsatire über das Niveau der Lübecker Kommunalpolitik wollen sich die meisten Abgeordneten dann doch nicht hergeben. Hinter den Kulissen war zu erfahren, dass der Antrag nach dem traditionellen Treffen »Stunde der Begegnung« im Museum Natur und Umwelt zur Adventszeit unter Augenzwinkern entstanden sein soll. Und dies im Beisein von Vertretern verschiedener Parteien - die nun allerdings von solch einem Humor wieder Abstand nehmen und die Sache als Karnevalsklamauk bezeichnen. CDU-Fraktionschef Andreas Zander führt zudem faktische Zwänge ins Feld: Er bekennt, dass man mit Nein stimmen werde, weil ansonsten die Hälfte der CDU-Abgeordneten sich erst für einen Tanzkursus anmelden müsste.

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